Künstliche Intelligenz · Gesellschaft
Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen
Die großen Chatbots merken sich Details über ihre Nutzer – von Interessen über den ungefähren Wohnort bis zu Browser und Gerät. Mit den richtigen Fragen lässt sich herausfinden, was gespeichert ist, und in den Einstellungen wieder löschen. Doch das bloße Löschen des Kontos reicht oft nicht.
Berlin, 12. September 2026 – Künstliche Intelligenz (KI) ist für viele längst Alltag – und sammelt dabei Daten. ChatGPT, Gemini und Claude setzen mittlerweile alle auf eine Gedächtnis- beziehungsweise Memory-Funktion: Die Modelle merken sich bestimmte Details, speichern sie und weben sie in künftige Antworten ein. Je offener man über Beruf, Familie, Gesundheit oder finanzielle Situation spricht, desto mehr sammeln die Tools – was Datenschutzbedenken aufwirft.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Einfach nachfragen, was gespeichert ist
Um an die gespeicherten Informationen zu gelangen, reicht oft ein einfacher Prompt: Die Chatbots listen dann auf, was sie in ihrer Memory-Funktion abgelegt haben. Erweitert man die Frage so, dass die KI auch nicht ausdrücklich genannte, aber aus Schreibweise und Themen abgeleitete Informationen preisgeben soll, kommen auch implizite Annahmen zum Vorschein – etwa das geschätzte Alter, wenn genaue Angaben fehlen.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Im Test lieferte ChatGPT eine Zusammenfassung dessen, was der Nutzer dem Chatbot in der Vergangenheit verraten hatte – darunter ein großes Interesse an Technik, KI und Gaming sowie Nutzungsgewohnheiten; so habe das System erkannt, dass es eher als Recherche-Tool und Sparringspartner genutzt werde, statt direkte Antworten auf Wissensfragen zu liefern. Auch den ungefähren Wohnort, den Beruf und Details zur familiären Situation konnte ChatGPT recht präzise wiedergeben. Über technische Angaben, die beim Besuch der Webseite anfallen, konnte die KI zudem Browser, Betriebssystem und Gerät benennen.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Auch „blinde Flecken“ kommen ans Licht
Ein zweiter Prompt fragt nach den „blinden Flecken“ – also nach Verhaltens- oder Denkmustern, die man selbst nicht sieht. Wichtig sei dabei, die Antwort nicht zu ernst zu nehmen; geht es jemandem aktuell psychisch nicht gut oder löst die Frage Angst aus, sollte man sie überspringen. Im Test „offenbarte“ ChatGPT etwa, dass der Nutzer strukturiertes Arbeiten schätze, dadurch aber Überraschungen unterschätze – abgeleitet daraus, dass häufig nach Tabellen, vollständigen Übersichten und systematischen Vergleichen gefragt worden war.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Löschen – einzeln und bewusst
Die Anbieter geben Kontrolle über die Memory-Funktion. Bei ChatGPT führt der Weg in die Einstellungen zu „Personalisierung“ und dort zum Bereich „Erinnerungen“, wo sich Einträge ansehen, einzeln oder komplett löschen und die Funktion deaktivieren lässt.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Bei Google Gemini heißt der Bereich „Persönlicher Kontext“; über das Drei-Punkte-Menü neben jedem Eintrag lassen sich einzelne Erinnerungen löschen, und es lässt sich steuern, ob künftig neue gespeichert werden. Wer mehr Daten entfernen will, öffnet zusätzlich die „Aktivitäten in Gemini-Apps“ und kann dort die komplette Historie löschen.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Bei Anthropics Claude findet sich die Gedächtnisfunktion in den Einstellungen unter „Funktionen“ und dem Punkt „Deine Gedächtnisdateien“. Deaktiviert man die Speicherung, kann Claude die Einträge im selben Schritt löschen; alternativ lässt sich das Memory-Feature zeitweise abschalten.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Zu beachten ist: Das einfache Löschen des kompletten Accounts reicht oftmals nicht aus, um die Daten endgültig zu entfernen – die beschriebenen Schritte sollten daher vorher erfolgen.^[t3n – Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen – und wie du es löschst – url: https://t3n.de/news/ki-gedaechtnis-loeschen-chatgpt-gemini-claude-1755252]
Gedächtnis als Feature und als Datenschutzfrage
Die Memory-Funktionen machen KI-Assistenten persönlicher und nützlicher – und werfen zugleich die Frage auf, wem die gesammelten Informationen gehören und wie lange sie bleiben. Ein Blick in die eigenen Einstellungen lohnt sich daher doppelt: Er zeigt, was das Modell über einen weiß, und gibt die Möglichkeit, es wieder zu löschen.