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Künstliche Intelligenz · Gesellschaft

Der ChatGPT-Effekt: Warum Berufseinsteiger weniger verdienen

US-Daten zeigen: Absolventen in KI-nahen Fächern starten seit dem ChatGPT-Start mit 13 Prozent weniger Lohn ins Berufsleben. Während Konzerne auf Weiterbildung setzen, wächst zugleich die Frage, wie viel Kontrolle Nutzer über ihre Daten behalten.

deepdaive Team ·

Foto: Kalamata Creative / Pexels
Foto: Kalamata Creative / Pexels

Berlin, 22. September 2026 – Der Einzug der KI in die Unternehmen verändert den Arbeitsmarkt – und trifft ausgerechnet die, die gerade erst anfangen. Eine neue Auswertung US-amerikanischer Daten zeigt, dass Hochschulabsolventen in besonders KI-nahen Fächern mit spürbar weniger Lohn ins Berufsleben starten als frühere Jahrgänge. Zugleich ringen Nutzer im Alltag um die Kontrolle über die Daten, die KI-Systeme über sie sammeln.^[t3n – ChatGPT-Effekt: Frische Informatik-Absolventen verdienen 13 Prozent weniger als ihre Vorgänger – url: https://t3n.de/news/berufe-ki-fokus-lohn-1764272]

13 Prozent weniger zum Start

Grundlage ist ein Arbeitspapier des United States Census Bureau. Demnach beginnen Hochschulabsolventen in von KI besonders betroffenen Fächern seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 mit einem um 13 Prozent geringeren Lohn als ihre Vorgänger. Für die Analyse werteten die US-Statistiker die Daten von rund 6,7 Millionen Bachelor-Absolventen aus – etwa 29 Prozent aller Abschlüsse zwischen 2016 und 2024. Zusätzlich bestimmten sie, wie gut sich die in den jeweiligen Berufsfeldern anfallende Arbeit durch generative KI erledigen lässt.^[t3n – ChatGPT-Effekt: Frische Informatik-Absolventen verdienen 13 Prozent weniger als ihre Vorgänger – url: https://t3n.de/news/berufe-ki-fokus-lohn-1764272]

Das Ergebnis fiel auf den ersten Blick deutlich aus: Neben dem geringeren Einstiegsgehalt waren die Absolventen der am stärksten betroffenen Fächer nach ihrem Abschluss auch zu rund fünf Prozentpunkten weniger beschäftigt. Zu den Berufen mit hoher KI-Exposition zählen neben der Informatik auch Mathematik und Statistik. Der KI-Fokus der Unternehmen verschlechtere die Startchancen in einem Umfang wie während einer schweren Wirtschaftskrise, heißt es.^[t3n – ChatGPT-Effekt: Frische Informatik-Absolventen verdienen 13 Prozent weniger als ihre Vorgänger – url: https://t3n.de/news/berufe-ki-fokus-lohn-1764272]

Die Statistiker schränken jedoch ein: Einen belastbaren Zusammenhang zwischen dem breiten Einsatz von KI und der beobachteten Verschlechterung gebe es nicht. Entsprechende Auswirkungen seien aber wahrscheinlich.^[t3n – ChatGPT-Effekt: Frische Informatik-Absolventen verdienen 13 Prozent weniger als ihre Vorgänger – url: https://t3n.de/news/berufe-ki-fokus-lohn-1764272]

Der Umweg über schlechter bezahlte Jobs

Bemerkenswert ist, woher der Lohnabstand rührt. Die Hälfte des vom Census Bureau festgestellten Verlusts entsteht dadurch, dass die Absolventen zunächst Jobs in schlechter bezahlten Bereichen antraten – etwa im Einzelhandel und in der Gastronomie. Durch Jobwechsel schrumpfte der Abstand nach einigen Jahren immerhin von 13 auf fünf Prozent, verschwand aber nicht ganz. Für eine umfassende Einordnung sei der beobachtete Zeitraum von acht Jahren allerdings zu kurz; möglich sei, dass die schlechter gestarteten Absolventen den Rückstand noch aufholen.^[t3n – ChatGPT-Effekt: Frische Informatik-Absolventen verdienen 13 Prozent weniger als ihre Vorgänger – url: https://t3n.de/news/berufe-ki-fokus-lohn-1764272]

Gegensteuern mit Weiterbildung

Dass die Antwort auf solche Verschiebungen auch in Qualifizierung liegen kann, zeigt derweil die Anbieterseite. OpenAI hat seine „Academy" um neue Lernpfade erweitert – für Beschäftigte, Entwickler, Führungskräfte, Lehrkräfte und Studierende, die praktische KI-Kenntnisse aufbauen und nachweisen wollen.^[OpenAI – Expanding OpenAI Academy with new learning paths – url: https://openai.com/index/expanding-openai-academy-with-new-learning-paths]

Ob solche Angebote den Strukturwandel abfedern, ist offen. Klar ist, dass die Nachfrage nach KI-Kompetenz steigt, während klassische Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden.

Kontrolle behalten

Wie tief KI in den Alltag reicht, zeigt ein zweites Feld: das Gedächtnis von ChatGPT. Laut OpenAI merkt sich der Chatbot Interessen, bevorzugte Antwortstile und langfristige Ziele und berücksichtigt sie später automatisch. Hatte die Funktion 2024 noch ausdrückliche Befehle wie „Merke dir das" gebraucht, speichert und sortiert ChatGPT Erinnerungen seit einem Update im Juni selbstständig im Hintergrund – eine im Juni eingeführte „Traum"-Funktion soll dabei helfen, Erinnerungen zu verarbeiten.^[t3n – ChatGPT weiß mehr über dich, als du denkst – so behältst du die Kontrolle – url: https://t3n.de/news/chatgpt-weiss-mehr-ueber-dich-als-du-denkst-so-behaeltst-du-die-kontrolle-1764345]

Bequem ist das – aber nicht immer korrekt. Wer eine Woche lang Reparaturanleitungen recherchiert, gilt für den Chatbot womöglich plötzlich als Heimwerker; wer nach Orten rund um ein Reiseziel sucht, dem unterstellt die KI unter Umständen, dort zu wohnen. Alle Antworten können dann auf einem verfälschten Gedächtniskontext beruhen. Nutzer können das steuern: Im Profil unter „Personalisierung" und dort im Abschnitt „Gedächtnis" lässt sich die Speicherfunktion abschalten, das Profil einsehen, korrigieren oder löschen. Temporäre Chats speichern grundsätzlich nichts – die sicherste Methode bleibt, der KI nichts Persönliches zu erzählen.^[t3n – ChatGPT weiß mehr über dich, als du denkst – so behältst du die Kontrolle – url: https://t3n.de/news/chatgpt-weiss-mehr-ueber-dich-als-du-denkst-so-behaeltst-du-die-kontrolle-1764345]

Ankommen ohne Anleitung

Beide Befunde beschreiben dieselbe Bewegung: KI wird selbstverständlicher Teil von Arbeitswelt und Alltag – ohne dass die Spielregeln schon feststehen. Für Berufseinsteiger zeigt sich das als Lohnlücke, für alle anderen als Frage nach Kontrolle und Transparenz. Wie gut eine Gesellschaft diesen Übergang gestaltet, dürfte weniger an der Technik hängen als an der Bereitschaft, neue Kompetenzen zu vermitteln und klare Grenzen zu ziehen.