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KI-Gesellschaft · Erinnerung

24 Fotos, ein Gedächtnistest: Wie KI falsche Erinnerungen erzeugt

Ein Experiment am MIT Media Lab zeigt: Wer KI-veränderte Bilder sieht, erinnert sich häufiger falsch – und ist davon überzeugter. Die Forscherin Pattie Maes warnt vor Folgen für Gerichtsverfahren und Geschichtsschreibung.

deepdaive Team ·

Foto: Efrem Efre / Pexels
Foto: Efrem Efre / Pexels

Berlin, 19. Oktober 2026 – Es ist ein Experiment mit 200 Menschen, 24 Fotos und einem Gedächtnistest – und es endet mit dem Satz: „Ich halte das alles für grundsätzlich sehr gefährlich." Gesagt hat ihn Pattie Maes, Professorin am MIT Media Lab, über die Wirkung von KI-generierten Bildern auf das menschliche Gedächtnis.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Ein Experiment mit 24 Fotos

Maes und ihr Team zeigten 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 24 Fotos – eine Hochzeit, eine Straßenszene, ein Rennen. Anschließend bekam ein Teil der Gruppe dieselben Bilder ein zweites Mal zu sehen. Für die übrigen hatten die Forscherinnen und Forscher von KI veränderte Versionen vorbereitet: Gesichtsausdrücke waren verändert, Militärpersonal hinzugefügt, auch Hinweise zum Klimawandel ergänzt.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Beim folgenden Gedächtnistest zeigte sich ein doppelter Effekt. Bei denjenigen, die die manipulierten Fotos gesehen hatten, stieg die Zahl der falschen Erinnerungen. Und diese falschen Erinnerungen waren auch noch stabiler: Die betroffenen Teilnehmenden waren von ihnen überzeugter als die Kontrollgruppe von den richtigen.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Gerichte, Geschichte, Zeugen

Maes verweist auf zwei Felder, in denen die Verlässlichkeit von Erinnerungen unmittelbar Konsequenzen hat. Zum einen auf Gerichtsverfahren, in denen Richterinnen und Richter auf möglichst korrekte Erinnerungen angewiesen sind – und in denen schon heute bekannt ist, wie leicht sich Zeugenaussagen verzerren lassen. Zum anderen auf die Geschichtsschreibung, die von überlieferten Erinnerungen abhängt.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Der Punkt ist nicht, dass Menschen sich von jeher falsch erinnern. Der Punkt ist die Reichweite: Bisher brauchte es ein Gegenüber, das eine falsche Version behauptet. Nun genügt ein Bild, das plausibel aussieht – und das in beliebiger Zahl erzeugt werden kann.

Malmö und die dreifachen Fehlerinnerungen

Maes' Arbeit steht nicht allein. Auf einer KI-Konferenz im schwedischen Malmö ist Mitte Oktober 2026 der Frage nachgegangen worden, was passiert, wenn KI beginnt, sich in das menschliche Gedächtnis einzumischen. Weitere Studien deuten in dieselbe Richtung. In einem Fall sahen Teilnehmende ein Video über ein Verbrechen; diejenigen, die anschließend von einem generativen KI-Chatbot dazu befragt wurden, hatten dreimal so viele falsche Erinnerungen.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Zusätzlich verwischen die Grenzen zwischen eigenen Gedanken und denen einer Maschine – bis hin zu der Möglichkeit, Erinnerungen an Ereignisse einzupflanzen, die es nie gegeben hat.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Das Vertrauen war schon vorher zu groß

Der Befund trifft auf eine Öffentlichkeit, die KI-Systemen ohnehin viel zutraut. Bereits im Frühjahr 2026 kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass Menschen KI-generierten Antworten oft zu schnell vertrauen und die Kompetenz solcher Systeme überschätzen – selbst dann, wenn das System unsicher oder fehleranfällig ist.^[t3n – MIT-Forscherin warnt: KI könnte bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen – url: https://t3n.de/news/ki-menschen-falsche-erinnerungen-1768784]

Beides zusammen ergibt eine unangenehme Mechanik: Ein System, dem man ohnehin glaubt, liefert ein Bild, das plausibel aussieht – und das Gedächtnis passt sich an, ohne dass die betroffene Person es bemerkt. Für den Umgang mit KI-Fotos und -Videos folgt daraus eine unbequeme Konsequenz: Es reicht nicht, Fälschungen zu erkennen. Man muss auch dort misstrauisch bleiben, wo das Bild zur eigenen Erinnerung passt.