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Künstliche Intelligenz · Gesellschaft

„Historisches Urteil": Meta muss Deepfake-Betrugsanzeigen selbst herausfiltern

Das Landgericht Frankfurt verpflichtet Meta, gefälschte Profile und Anzeigen zu entfernen, bevor sie erscheinen. Das Urteil könnte die Verantwortung von Plattformen für KI-generierten Betrug neu vermessen.

deepdaive Team ·

Foto: Sanket Mishra / Pexels
Foto: Sanket Mishra / Pexels

Berlin, 17. September 2026 – Das Landgericht Frankfurt hat Meta verurteilt: Der Facebook-Konzern muss gefälschte Profile und betrügerische Werbeanzeigen auf seinen Plattformen künftig selbst herausfiltern – bevor sie erscheinen.^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb] Hinter dem Fall steckt eine Betrugsmasche mit KI-generierten Inhalten, die weit über den Einzelfall hinausreicht.

Der Fall Finanzfluss

Seit 2024 tauchen auf Facebook und Instagram in großer Zahl Fake-Accounts auf, die im Namen der Finfluencer-Marke Finanzfluss oder mit dem Gesicht ihres Gründers Thomas Kehl angeblich exklusive Anlagetipps versprechen.^[Handelsblatt – Landgericht Frankfurt: Urteil gegen Meta: Facebook-Konzern haftet für betrügerische Deepfakes im Netz – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/deepfakes-urteil-gegen-meta-facebook-konzern-haftet-fuer-betrug-im-netz/100241787.html] Nutzer werden in geschlossene WhatsApp-Gruppen gelockt, wo dubiose Investments angepriesen werden – offensichtlich in betrügerischer Absicht.^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb] Der Schaden ist doppelt: Anleger verlieren Geld, und die Glaubwürdigkeit der Marke leidet. Teils sollen die Beiträge nicht über eigene Accounts, sondern über ein Meta-Werbekonto gebucht worden sein.^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb]

„Wer so viel Kontrolle hat, kann kein neutraler Speicherplatz sein"

Meta berief sich darauf, für die Inhalte seiner Nutzer nicht verantwortlich zu sein, solange gemeldete Verstöße gelöscht werden.^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb] Das Gericht folgte dieser Linie nicht: Meta entscheide mit seinem Algorithmus über das Ausspielen der Anzeigen und verdiene daran – wer so viel Kontrolle über Inhalte habe, könne kein neutraler Speicherplatz sein, sondern hafte unmittelbar.^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb] Die Auflagen sind empfindlich: Meta muss die Fakeprofile und Betrugsanzeigen künftig herausfiltern, bei Verstößen droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro; zusätzlich muss der Konzern offenlegen, wie hoch die Werbeeinnahmen der Fakeanzeigen waren.^[Handelsblatt – Landgericht Frankfurt: Urteil gegen Meta: Facebook-Konzern haftet für betrügerische Deepfakes im Netz – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/deepfakes-urteil-gegen-meta-facebook-konzern-haftet-fuer-betrug-im-netz/100241787.html]

Ein „historisches Urteil" – noch nicht rechtskräftig

Kehl und seine Anwälte sprachen von einem „historischen Urteil", das über den Einzelfall hinausgehe;^[DER SPIEGEL – Facebook und Instagram: Meta muss Fakeanzeigen eigenständig entfernen – url: https://www.spiegel.de/netzwelt/facebook-und-instagram-meta-muss-fakeanzeigen-eigenstaendig-entfernen-a-2acdce79-db95-4241-9595-f451538596bb] „Es ist ein wichtiger Schritt zum Schutz vor weitverbreitetem Finanzbetrug, von dem immer mehr Menschen betroffen sind", sagte Kehl.^[Handelsblatt – Landgericht Frankfurt: Urteil gegen Meta: Facebook-Konzern haftet für betrügerische Deepfakes im Netz – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/deepfakes-urteil-gegen-meta-facebook-konzern-haftet-fuer-betrug-im-netz/100241787.html] Doch rechtskräftig ist die Entscheidung nicht: Meta lehnt sie ab, prüft weitere Schritte und verweist auf erhebliche eigene Maßnahmen und den Ausbau KI-basierter Schutzmechanismen.^[Handelsblatt – Landgericht Frankfurt: Urteil gegen Meta: Facebook-Konzern haftet für betrügerische Deepfakes im Netz – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/deepfakes-urteil-gegen-meta-facebook-konzern-haftet-fuer-betrug-im-netz/100241787.html]

Wenn KI das Fälschen leicht macht

Das Urteil fällt in eine Zeit, in der sich gefälschte Inhalte mit KI in Sekunden erzeugen lassen. Ein Beispiel liefert Apple: Die neue Foto-KI des Konzerns ergänzt verborgene Bildteile – und erfindet dabei wildfremde Gesichter, wie BILD berichtet.^[BILD – In iOS-Fotobearbeitung: Apple-KI erzeugt wildfremde Personen in Fotos – url: https://www.bild.de/leben-wissen/digital/ios-27-apple-ki-erzeugt-wildfremde-personen-in-fotos-6aaab20d91d8cffaad47bb0a] Wo generative Systeme Lücken füllen, entstehen Bilder, die es nie gab – und mit ihnen neue Gelegenheiten für Täuschung.

Wer haftet für das, was die Maschine zeigt

Die Frankfurter Entscheidung verschiebt die Verantwortung von den Betrügern hin zu den Plattformen, die die Anzeigen ausspielen. Ob sie Bestand hat, wird der weitere Instanzenzug zeigen. Klar ist: Je leichter KI das Fälschen macht, desto stärker rückt die Frage in den Mittelpunkt, wer für die Folgen geradesteht.