deepdaive Blog

KI-Gesellschaft · Vertrauen

„Ich weiß es nicht": Wie KI das Eingeständnis von Unwissen verdrängt – und warum Bequemlichkeit siegt

Eine Studie zeigt: Schon der Zugang zu KI-Antworten lässt Menschen fast nie mehr zugeben, etwas nicht zu wissen. Zugleich wären zwei Drittel der Deutschen bereit, KI-Agenten ihre Finanzdaten zu überlassen – ein riskantes Zusammenspiel aus Vertrauen und Bequemlichkeit.

deepdaive Team ·

Foto: cottonbro studio / Pexels
Foto: cottonbro studio / Pexels

Berlin, 27. September 2026 – „Ich weiß es nicht" ist ein Satz, der Wissen schützt. Eine Studie mit mehr als 3.000 Teilnehmenden zeigt nun, dass schon der bloße Zugang zu KI-Antworten diese Bereitschaft fast auslöscht.^[The Decoder – AI access makes people almost entirely unwilling to say "I don't know," study finds – url: https://the-decoder.com/ai-access-makes-people-almost-entirely-unwilling-to-say-i-dont-know-study-finds/] In einem Experiment sank die Bereitschaft, Unwissen einzuräumen, von 44 auf 3 Prozent – obwohl die KI fast immer falschlag.^[The Decoder – AI access makes people almost entirely unwilling to say "I don't know," study finds – url: https://the-decoder.com/ai-access-makes-people-almost-entirely-unwilling-to-say-i-dont-know-study-finds/] Wer die KI nutzte, fühlte sich sicherer, lag aber nur etwa ein Drittel so oft richtig wie jene ohne KI.^[The Decoder – AI access makes people almost entirely unwilling to say "I don't know," study finds – url: https://the-decoder.com/ai-access-makes-people-almost-entirely-unwilling-to-say-i-dont-know-study-finds/]

Bequemlichkeit schlägt Skepsis

Der Befund passt zu einer zweiten Erhebung aus dem Alltag der Finanzen. Das Datenunternehmen Experian hat im Rahmen einer Forrester-Studie mehr als 6.000 Verbraucherinnen und Verbraucher in 13 Ländern befragt, darunter 480 in Deutschland.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181] Demnach vertrauen 82 Prozent der KI schon beim Vergleich verschiedener Kreditangebote, 54 Prozent wären einverstanden, dass sie in ihrem Namen einen Kredit oder eine Kreditkarte beantragt.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181] Zwei Drittel der Deutschen (67 Prozent) wären sogar bereit, einem KI-Agenten die für einen Kreditantrag nötigen Finanzdaten zu überlassen.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181]

Dabei bleiben die Deutschen skeptisch: 62 Prozent zählen sich zu den Skeptikerinnen und Skeptikern, das Vertrauen in KI-generierte Informationen liegt mit 6,2 von 10 Punkten unter dem internationalen Durchschnitt von 6,8.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181] 80 Prozent erhoffen sich, durch KI die besten Preise zu finden; 78 Prozent fürchten zugleich, ein Agent könne durch gefälschte Angebote getäuscht oder von Cyberkriminellen gekapert werden.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181] Nutzen und Risiko liegen damit eng beieinander – und das Vertrauen hängt weniger am Können der KI als an der Frage, wer dahintersteht: 75 Prozent fühlen sich wohler, wenn das Angebot von einem Anbieter kommt, dem sie schon vertrauen.^[t3n – Bequemlichkeit schlägt Skepsis: Zwei Drittel der Deutschen würden KI-Agenten ihre Finanzdaten geben – url: https://t3n.de/news/ki-agenten-finanzdaten-studie-1764181]

Der Preis der Entlastung

Und es geht nicht nur ums Geld, sondern auch ums Selbstwertgefühl. Die Psychologin Tatjana Schnell, Professorin für existenzielle Psychologie, warnt davor, dass KI zu viel übernimmt: „KI sollte dazu beitragen, Arbeit zu erleichtern, aber sie darf nicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit verdrängen", sagt sie.^[t3n – Der unsichtbare Preis von ChatGPT: Warum zu viel Entlastung im Job unglücklich macht – url: https://t3n.de/news/sinn-job-ki-psychologin-1756442] Entscheidend sei, dass Menschen diejenigen bleiben, „die darüber entscheiden, was bei der Arbeit geschieht".^[t3n – Der unsichtbare Preis von ChatGPT: Warum zu viel Entlastung im Job unglücklich macht – url: https://t3n.de/news/sinn-job-ki-psychologin-1756442]

Zwischen Vertrauen und Bequemlichkeit entsteht so ein riskantes Muster: Wer nie „Ich weiß es nicht" sagt, verliert genau die Fähigkeit, auf die es beim Umgang mit KI am meisten ankommt – die eigene Unsicherheit ernst zu nehmen.