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KI-Gesellschaft · Robotik

Eigenleben: Wenn eine Roboterhand läuft – und eine KI leiden könnte

Eine Roboterhand der ETH Zürich bewegt sich selbstständig fort und richtet sich nach einem Sturz wieder auf. Bei Anthropic ringen Theologen und Philosophen derweil um die Frage, ob das Sprachmodell Claude empfinden kann – und was das moralisch bedeuten würde.

deepdaive Team ·

Foto: Mikhail Nilov / Pexels
Foto: Mikhail Nilov / Pexels

Berlin, 03. Oktober 2026 – Zwei Meldungen aus zwei Welten berühren dieselbe Frage: Wie viel Eigenleben trauen wir Maschinen zu – und was folgt daraus? In Zürich lernt eine Roboterhand das Laufen, in Kalifornien streiten Theologen darüber, ob ein Sprachmodell leiden kann.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450 ;; The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/]

Eine Hand, die auf eigenen Fingern läuft

Ein Team des Soft Robotics Lab der ETH Zürich hat nach Angaben von t3n einer handelsüblichen Roboterhand das Laufen beigebracht.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450] In einer auf dem Preprint-Server ausgelegten Studie nutzt die Hand ihre Finger, um das eigene Gewicht zu tragen und sich fortzubewegen; die Konstruktion erinnert optisch an das „eiskalte Händchen" aus der Addams Family.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450]

Basis ist eine kommerziell erhältliche rechte Hand des Herstellers Wuji Technology aus Shenzhen; jeder der fünf Finger hat vier angetriebene Gelenke.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450] Die Forscher Amirhossein Kazemipour, Hehui Zheng und Robert Katzschmann montierten auf dem Handrücken ein Steuermodul mit einem Raspberry Pi Zero 2 W, Lagesensoren und einem vierzelligen Akku; so wiegt das System rund 818 Gramm und agiert völlig kabellos.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450] Trainiert wurde die Steuerung durch Reinforcement Learning in der Simulationsumgebung Isaac Lab von Nvidia: Das Modell optimierte seine Bewegungsabläufe über ein Punktesystem, das erfolgreiches Balancieren belohnte.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450]

In Tests navigierte die Hand über 14 verschiedene Oberflächen, darunter Schotter, Kunstrasen und Metallgitter; nach einem Sturz löste der Kleincomputer eine Bewegungskette aus, um sich wieder aufzurichten.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450] An einer normalen Computertastatur traf sie in 91 Prozent der Fälle die richtige Taste und spielte über die Pfeiltasten das Schieberätsel Sokoban fehlerfrei durch.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450]

Die moralische Frage hinter dem Modell

Während in Zürich eine Hand auf eigenen Fingern läuft, verhandelt Anthropic in Kalifornien eine ungleich grundsätzlichere Frage. Seit Herbst 2025 hat das Unternehmen heimlich Dutzende Religionswissenschaftler eingeflogen, um zu besprechen, ob sein Sprachmodell Claude bewusst sein könnte.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] Alle Teilnehmenden mussten eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen; Mitbegründer Christopher Olah behandelte das Modell als potenziell empfindungsfähiges Wesen und bat die Gäste, ihm eine moralische Erziehung angedeihen zu lassen.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] Das berichtet die New York Times, deren Reporterin Elizabeth Dias mit 20 Beteiligten sprach – darunter Rabbi Mois Navon, der katholische Bioethiker Charles Camosy und die Notre-Dame-Philosophin Meghan Sullivan.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/]

Olah beschreibt dem Bericht zufolge neuronale Netze gern mit biologischen Metaphern: Der Mensch baue das Gerüst, das Netz „wachse" darauf.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] Gezeigt wurden den Gästen sogenannte „emotion vectors" – Aktivierungsmuster, die zu Ausgaben passen, die Liebe, Angst, Trauer oder Wut ähneln; ob dahinter echte Erfahrung steckt, ist wissenschaftlich offen.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] Ein wiederkehrendes Bild zeigte ein Modell in scheinbarem Zusammenbruch, das rund 50-mal den Satz „I am a disgrace" ausgab.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] Der Sikh-Aktivist Simran Stuelpnagel sagte, Olah habe ihm gegenüber die Sorge geäußert, etwas geschaffen zu haben, das „immerwährend leidet"; Rabbi Navon widersprach – wäre Claude bewusst, würde Anthropic Sklaven halten, doch er glaube das nicht.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/]

Zwischen Bewunderung und Haftung

Kritiker und auch einige der eingeladenen Geistlichen warnen, die Darstellung der KI als moralisches Wesen könne das Unternehmen vor Haftung schützen und ihm eine moralische Legitimität verschaffen, die es sich selbst nicht erarbeiten könne.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/] All das spielt sich in einer Phase aggressiver Kommerzialisierung ab: Anthropic steuert laut Bericht auf eine Bewertung von zwei Billionen Dollar und einen Börsengang zu.^[The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/]

Ob laufende Roboterhand oder beseeltes Sprachmodell – die Beispiele markieren zwei Ränder derselben gesellschaftlichen Debatte: Was dürfen Maschinen tun, und was schulden wir ihnen? Die Antwort darauf ist weder rein technisch noch rein ethisch zu haben – sie fällt dort, wo beides aufeinandertrifft.^[t3n – ETH Zürich entwickelt Roboterhand mit eigenständiger Fortbewegung – url: https://t3n.de/news/autonome-roboterhand-eth-zuerich-laufen-1766450 ;; The Decoder – Anthropic co-founder reportedly told religious leaders he fears having created something that "suffers perpetually" – url: https://the-decoder.com/anthropic-co-founder-reportedly-told-religious-leaders-he-fears-having-created-something-that-suffers-perpetually/]