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Künstliche Intelligenz · Wahlen

Wenn die KI wählen dürfte: Was 19 Sprachmodelle aus dem Wahl-O-Mat machen

Die F.A.Z. hat 19 Sprachmodellen die Thesen des Wahl-O-Mats zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vorgelegt und aus den Antworten einen KI-Landtag berechnet. Das Ergebnis überrascht – und wirft Fragen auf.

deepdaive Team ·

Foto: Sora Shimazaki / Pexels
Foto: Sora Shimazaki / Pexels

Berlin, 25. August 2026 – Der Wahl-O-Mat gehört für viele Deutsche zu jeder Wahl: 26 Millionen Menschen nutzten ihn bei der Bundestagswahl 2025, in Baden-Württemberg waren es zuletzt 2,1 Millionen. Doch was passiert, wenn man die 38 Thesen des Wahl-O-Mats nicht Menschen vorlegt, sondern den Sprachmodellen, die inzwischen Hausaufgaben erklären, Suchergebnisse zusammenfassen und Texte entwerfen? Die F.A.Z. hat genau dieses Experiment gewagt: 19 Sprachmodelle mussten die Thesen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beantworten – und aus den bevorzugten Parteien der Maschinen wurde ein Landtag berechnet. Es entsteht ein Parlament, das es so noch nie in Sachsen-Anhalt gegeben hat.^[F.A.Z. – Sachsen-Anhalt: Wenn die KI wählen dürfte – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-sachsen-anhalt/sachsen-anhalt-wenn-die-ki-waehlen-duerfte-201140487.html]

Die Maschinen sind sich erstaunlich einig

Das bemerkenswerteste Ergebnis des Experiments: Während menschliche Wählerinnen und Wähler in alle politischen Richtungen streuen, lagen die Sprachmodelle erstaunlich nah beieinander. Manche Modelle verweigerten die Antwort komplett – aus Sicherheitsgründen oder weil die Aufgabe als unzulässig eingestuft wurde. Von denen, die antworteten, tendierte die Mehrheit in eine ähnliche politische Richtung. Ein einziges Modell fiel aus der Reihe und positionierte sich deutlich abweichend.^[F.A.Z. – Sachsen-Anhalt: Wenn die KI wählen dürfte – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-sachsen-anhalt/sachsen-anhalt-wenn-die-ki-waehlen-duerfte-201140487.html] Die F.A.Z.-Redaktion wertete die Antwortbögen aus und errechnete aus den Parteipräferenzen der Maschinen einen fiktiven Landtag – ein Gedankenspiel mit ernstem Hintergrund.

Wahlkampf-Endspurt in Sachsen-Anhalt

Das Experiment kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Nur wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt befinden sich die Parteien im Endspurt des Wahlkampfs.^[BILD – Live-Ticker vor den Landtagswahlen: Was jetzt im Wahlkampf-Endspurt passiert – url: https://www.bild.de/politik/inland/live-ticker-vor-den-landtagswahlen-was-jetzt-im-wahlkampf-endspurt-passiert-6a8bed59c3692834ff6dab50] Die Frage, wie Algorithmen politische Inhalte gewichten, ist dabei längst kein Zukunftsthema mehr: Empfehlungssysteme bestimmen mit, welche Nachrichten und Positionen Menschen erreichen – und Sprachmodelle formulieren zunehmend politische Texte, von Wahlprogramm-Zusammenfassungen bis zu Social-Media-Posts.

Was der KI-Landtag über uns verrät

Das Gedankenexperiment zeigt vor allem eines: KI-Systeme sind keine neutralen Beobachter. Ihre Antworten spiegeln Trainingsdaten, Sicherheitsrichtlinien und die Voreinstellungen der Hersteller – und sie können sich, wie die abweichende Antwort eines Modells belegt, selbst zwischen Versionen stark unterscheiden. Wenn Maschinen „wählen dürften“, wäre das Ergebnis also weniger ein Ausdruck politischer Überzeugung als ein Abbild der Daten, mit denen sie trainiert wurden. Für die Demokratie ist das eine wichtige Erkenntnis: Je mehr KI in die politische Kommunikation eindringt, desto wichtiger wird Transparenz darüber, wer diese Systeme gebaut hat und welche Werte sie transportieren.