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KI-Forschung · NOAA

Forschung unter Druck: Europa rettet US-Datensätze, ein DeepMind-Forscher zieht die Reißleine

Die Trump-Regierung kürzt US-Wissenschaftsbehörden die Mittel, weltweit bedeutende Datensätze geraten in Gefahr – europäische Institutionen springen ein. Zugleich verlässt ein weiterer Google-DeepMind-Forscher seinen Job, weil ihm das Tempo der KI-Entwicklung zu hoch ist.

deepdaive Team ·

Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Berlin, 26. September 2026 – Die US-Behörde NOAA ist fast so alt wie die USA selbst. Sie beschäftigt mehr als 10.000 Menschen, betreibt 17 Schiffe, drei Wettersatelliten und Dutzende Labore – und hat kaum vergleichbare Langzeitdaten über Wetter, Klima, Atmosphäre und Ozeane angehäuft.^[t3n – Retten, was zu retten ist: Europa springt ein, um US-Daten für die Forschung zu sichern – url: https://t3n.de/news/retten-europa-us-daten-forschung-1764454] Doch Anfang 2025 entließ die Regierung Trump rund ein Zehntel der Belegschaft – mit dem unverhohlenen Ziel, den wissenschaftlichen Kern der Behörde zu zerschlagen.^[t3n – Retten, was zu retten ist: Europa springt ein, um US-Daten für die Forschung zu sichern – url: https://t3n.de/news/retten-europa-us-daten-forschung-1764454]

Langzeitdaten, die niemand mehr hütet

Die Folgen reichen weit über die USA hinaus. „Wir brauchen Langzeitdaten, damit wir wissen können: Sind Wetterkapriolen oder Klimaveränderungen die Ursache für eine aktuelle Hitzewelle? Und die NOAA hat viele solcher Daten", sagt Frank Oliver Glöckner, Professor für Earth System Data Science an der Uni Bremen.^[t3n – Retten, was zu retten ist: Europa springt ein, um US-Daten für die Forschung zu sichern – url: https://t3n.de/news/retten-europa-us-daten-forschung-1764454] Dass viele bedeutsame Datensammlungen – auch aus Medizin oder Sozialwissenschaften – in den USA liegen, ist kein Zufall. „Wir haben seit Jahrzehnten umfassende Forschungskooperationen mit den Vereinigten Staaten", sagt Dennis-Kenji Kipker vom Cyberintelligence Institute in Frankfurt. „Vielfach hat man dann auch die Datenspeicherung in den USA vorgenommen, weil es am einfachsten war, weil dort die Hyperscaler waren. Aber man hat die geopolitische Dimension dabei nicht beachtet."^[t3n – Retten, was zu retten ist: Europa springt ein, um US-Daten für die Forschung zu sichern – url: https://t3n.de/news/retten-europa-us-daten-forschung-1764454]

Europäische Institutionen versuchen nun, zu retten, was zu retten ist – so dient etwa ein Rechenzentrum am Alfred-Wegener-Institut als Backup für US-Daten.^[t3n – Retten, was zu retten ist: Europa springt ein, um US-Daten für die Forschung zu sichern – url: https://t3n.de/news/retten-europa-us-daten-forschung-1764454] Die Krise der US-Wissenschaft wirkt damit unmittelbar auf die europäische Forschungslandschaft zurück: Daten, die jahrzehntelang einfach in den USA lagen, müssen nun gesichert werden.

Ein DeepMind-Forscher geht

In dieselbe Richtung weist eine zweite Entwicklung – nur auf der anderen Seite des Atlantiks. Robert O'Callahan, technischer Experte bei Google DeepMind in Neuseeland, hat gekündigt. Seine Begründung: Das „gegenwärtige Tempo des Wandels ist viel zu hoch".^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/] Er arbeitete an Werkzeugen für den Chipentwurf, die KI billiger und schneller machten – einen Beitrag, den er nach eigenen Worten nicht länger rechtfertigen kann.^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/]

O'Callahan nennt das Risiko superintelligenter KI „real, aber unsicher" und sagt: „Auf ASI in naher Zukunft hinzuarbeiten, ist von Natur aus unverantwortlich."^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/] Er warnt unter anderem vor „kognitiver Kapitulation", KI-induzierter Psychose und Einsamkeit, konzentrierter Macht, wirtschaftlicher Verwerfung, Cybersicherheitsrisiken und fehlender Verantwortlichkeit.^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/] Viele Kollegen bei DeepMind teilten seine Sorgen, äußerten sich aber selten öffentlich.^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/]

Ein Milieu im Umbruch

Beide Beobachtungen greifen ineinander: Auf der einen Seite gerät die Infrastruktur der Wissenschaft unter Druck, auf der anderen wandern Forschende ab, weil sie die Folgen ihrer eigenen Arbeit fürchten. O'Callahan will künftig „eindeutig menschenfreundliche" Arbeit machen; linkt aber auch das Buch „If Anyone Builds It" von Eliezer Yudkowsky und Nate Soares, ohne dessen These zu übernehmen, superintelligente KI führe zwangsläufig zur Katastrophe.^[The Decoder – Another Google Deepmind researcher quits, says building superintelligent AI soon is "inherently irresponsible" – url: https://the-decoder.com/another-google-deepmind-researcher-quits-says-building-superintelligent-ai-soon-is-inherently-irresponsible/] Dass selbst führende Labore personal verlieren, an deren Arbeit die Effizienz ihrer Modelle hängt, ist ein Signal: Der Streit um Tempo und Verantwortung der KI-Forschung hat die Ebene der Sonntagsreden hinter sich gelassen.