Künstliche Intelligenz · KI-Forschung
KI erobert die Mathematik: vom 3D-Polyeder bis zur Riemann-Vermutung
Ein Mathematiker beweist mit ChatGPT-Hilfe die Existenz eines neuen achtflächigen Körpers – und OpenAI meldet einen großen Schritt hin zu einem Beweis der legendären Riemann-Vermutung. Die KI dringt in die Königsdisziplin vor.
Berlin, 12. Oktober 2026 – Die Mathematik gilt als Königsdisziplin und als jene Wissenschaft, in der Beweise traditionell von Menschen erdacht werden. Zwei Entwicklungen zeigen nun, wie tief Künstliche Intelligenz in dieses Feld vordringt: Ein unabhängiger Mathematiker hat mit Unterstützung von KI die Existenz eines bislang unbekannten geometrischen Körpers nachgewiesen – und OpenAI meldet einen großen Schritt hin zu einem der berühmtesten offenen Probleme der Mathematik.^[t3n – KI löst mathematisches Rätsel: Mathematiker findet neue 3D-Form – url: https://t3n.de/news/genus-3-polyeder-ki-mathe-entdeckung-1765781 ;; DER SPIEGEL – Riemann-Vermutung: Open AI greift mit KI nach dem »heiligen Gral« der Mathematik – url: https://www.spiegel.de/wissenschaft/riemann-vermutung-open-ai-greift-mit-ki-nach-dem-heiligen-gral-der-mathematik-a-30dc6da9-bee4-4078-b6d0-650cbaf80fce]
Ein Grafikfehler, der keiner ist
Der unabhängige Mathematiker Ruslan Mizhaev hat nach langjährigen Berechnungen die Existenz eines neuen achtseitigen Körpers zweifelsfrei nachgewiesen. Das sogenannte Genus-3-Polyeder verfügt über acht flache, neuneckige Flächen, die zusammen eine exakt geschlossene Oberfläche mit drei Löchern bilden – in der Topologie als drei Henkel bekannt und damit an einen dreifachen Torus erinnernd. Optisch erinnert die Form an fehlerhafte Mesh-Strukturen, wie sie bei der 3D-Modellierung durch zu viele Eckpunkte versehentlich entstehen.^[t3n – KI löst mathematisches Rätsel: Mathematiker findet neue 3D-Form – url: https://t3n.de/news/genus-3-polyeder-ki-mathe-entdeckung-1765781]
Das Gebilde besitzt exakt 24 Eckpunkte und 36 Kanten, an jedem Eckpunkt treffen genau drei der neuneckigen Flächen aufeinander. Jede der acht Flächen ist mit allen sieben anderen über mindestens eine gemeinsame Kante verbunden. Die gesamte Struktur weist eine sogenannte C4-Symmetrie auf – nach einer Drehung um 90 Grad sieht sie wieder exakt gleich aus. Die Topologie lässt sich über die Euler-Charakteristik bestätigen: 24 Ecken minus 36 Kanten plus acht Flächen ergeben den Wert minus vier, aus dem sich die drei Durchbrüche ableiten.^[t3n – KI löst mathematisches Rätsel: Mathematiker findet neue 3D-Form – url: https://t3n.de/news/genus-3-polyeder-ki-mathe-entdeckung-1765781]
ChatGPT als Rechenknecht
Bemerkenswert ist, wie die Arbeit entstand. Für die aufwendige Verifikation der komplexen Berechnungen und das Schreiben der benötigten Python-Skripte griff Mizhaev auf den KI-Chatbot ChatGPT zurück; seine Ergebnisse und die zugehörigen Datensätze veröffentlichte er in einem Vorabdruck auf arXiv. Das händische Konstruieren solcher Formen über Gleichungen, die jeden Eckpunkt exakt festlegen, führe „oft zu Aufgaben, die mit konventioneller Rechenleistung kaum lösbar sind“, so der Mathematiker Lars Schewe von der University of Edinburgh. Er ordnet das publizierte Resultat als fehlendes Puzzleteil ein, das eine bestehende theoretische Lücke schließt – ohne eine der bekannten Vermutungen umzustoßen.^[t3n – KI löst mathematisches Rätsel: Mathematiker findet neue 3D-Form – url: https://t3n.de/news/genus-3-polyeder-ki-mathe-entdeckung-1765781]
Dass solche exotischen Geometrien oft erst Jahre später in der Natur wiederentdeckt werden, zeigt der Blick auf die Biologie: 2018 fanden Forschende in menschlichem Gewebe das sogenannte Scutoid, eine zuvor geometrisch nicht erfasste Form. Das neue Polyeder fungiert damit als Brücke zwischen den schwer greifbaren Regeln der Topologie und der computergestützten Geometrie.^[t3n – KI löst mathematisches Rätsel: Mathematiker findet neue 3D-Form – url: https://t3n.de/news/genus-3-polyeder-ki-mathe-entdeckung-1765781]
Der »heilige Gral« rückt näher
Ein anderes Kaliber meldet OpenAI. Das Unternehmen hat auf einen Schlag mehr als 700 mathematische Manuskripte ins Netz gestellt. Das wohl brisanteste: Die KI sei einem Beweis der berühmten Riemann-Vermutung einen großen Schritt näher gekommen, berichtet der „Spiegel“. Die Vermutung über die Verteilung der Primzahlen gilt seit mehr als 150 Jahren als eines der größten ungelösten Probleme der Mathematik – ein Beweis wäre eine Sensation.^[DER SPIEGEL – Riemann-Vermutung: Open AI greift mit KI nach dem »heiligen Gral« der Mathematik – url: https://www.spiegel.de/wissenschaft/riemann-vermutung-open-ai-greift-mit-ki-nach-dem-heiligen-gral-der-mathematik-a-30dc6da9-bee4-4078-b6d0-650cbaf80fce]
Neue Werkzeuge, neue Fragen
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie sehr sich die mathematische Praxis verändert: KI tritt nicht mehr nur als Hilfsmittel am Rand auf, sondern liefert selbst Bausteine für Beweise – vom numerischen Nachweis eines Polyeders bis zu Teilschritten bei einem Jahrhundertproblem. Zugleich bleibt die Frage offen, wie belastbar solche Ergebnisse sind und was wissenschaftliche Urheberschaft künftig bedeutet. Klar ist: Die Königsdisziplin ist für die Maschinen kein Sperrgebiet mehr.