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Künstliche Intelligenz · KI-Forschung

„Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit platzt die Blase“: KI-Pionier Stuart Russell im Interview

Stuart Russell hat das Standardlehrbuch der KI geschrieben – und warnt heute vor einer Blase, der Automatisierung ganzer Unternehmen und dem Verlust der Kontrolle. Beim DLD in München hat er Bilanz gezogen.

deepdaive Team ·

Foto: Tope J. Asokere / Pexels
Foto: Tope J. Asokere / Pexels

München, 25. August 2026 – Stuart Russell zählt zu den weltweit einflussreichsten Forschern im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Seit 40 Jahren lehrt der Professor an der University of California in Berkeley, sein Lehrbuch „Artificial Intelligence: A Modern Approach“ – das er mitgeschrieben hat – nutzen mehr als 1500 Universitäten in der Lehre. Auf der DLD-Konferenz in München erklärte er dem Handelsblatt, warum aus dem Technologieoptimisten ein Mahner geworden ist, weshalb er die aktuelle Regulierung für falsch hält – und wie hoch er das Risiko einschätzt, dass KI außer Kontrolle gerät.^[Handelsblatt – „Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit passiert genau das: Die Blase platzt“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-technisch-ist-es-machbar-dass-unternehmen-komplett-automatisiert-laufen/100189694.html]

„Das ist einfach gesunder Menschenverstand“

Auf die Frage, wann aus dem Optimisten der Skeptiker geworden sei, widerspricht Russell: „Ich glaube nicht, dass ‚Skeptiker‘ das richtige Wort ist. Es ist eher ein Kompliment an die KI, wenn ich sage: Sie könnte so leistungsfähig werden, dass sie zur Bedrohung wird – es sei denn, man entwickelt sie richtig. Jemand, der dafür sorgt, dass Atomreaktoren nicht explodieren, ist ja auch kein Skeptiker gegenüber Kernenergie. Das ist einfach gesunder Menschenverstand.“^[Handelsblatt – „Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit passiert genau das: Die Blase platzt“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-technisch-ist-es-machbar-dass-unternehmen-komplett-automatisiert-laufen/100189694.html]

75 Prozent für das Platzen der Blase

Doch Russell sieht nicht nur langfristige Risiken, sondern auch unmittelbare wirtschaftliche Gefahren. Auf die Frage nach dem KI-Boom lautet seine Prognose: „Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit passiert genau das: Die Blase platzt.“^[Handelsblatt – „Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit passiert genau das: Die Blase platzt“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-technisch-ist-es-machbar-dass-unternehmen-komplett-automatisiert-laufen/100189694.html] Zugleich hält der Berkeley-Professor es technisch für machbar, dass Unternehmen komplett automatisiert laufen – die Technologie könnte demnach bald auch Top-Manager ersetzen. Wann KI zu einer existenziellen Bedrohung wird, gehört zu den Fragen, die Russell in dem Interview beantwortet.^[Handelsblatt – „Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit passiert genau das: Die Blase platzt“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-technisch-ist-es-machbar-dass-unternehmen-komplett-automatisiert-laufen/100189694.html]

Ein Stresstest für die Branche

Russells Warnung kommt in einer Woche, in der sich entscheidet, wie viel Vertrauen die Märkte der KI-Industrie noch entgegenbringen: Am Mittwoch legt Nvidia seine Quartalszahlen vor. Die Nachfrage ist da, doch der Konzern muss zeigen, ob er genügend Chips liefern kann – und ob die Nachfrage anhält.^[F.A.Z. – Nvidia vor Quartalszahlen: Wie viel KI-Boom geht noch? – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/nvidia-quartalszahlen-wie-weit-traegt-der-ki-boom-noch-accg-201156979.html] „Schon lange war das Misstrauen der Investoren nicht mehr so groß“, schreibt Handelsblatt-Kolumnist Michael Maisch mit Blick auf den einstigen KI-Star.^[Handelsblatt – Märkte Insight: KI-Star Nvidia verliert seinen Glanz – url: https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/aktien-ki-star-nvidia-verliert-seinen-glanz/100249108.html]

Ob Russells 75-Prozent-Prognose eintritt, hängt auch davon ab, ob die KI-Unternehmen ihre Versprechen einlösen – von der Automatisierung ganzer Unternehmen bis zur nächsten Generation intelligenter Systeme. Klar ist für den Forscher eines: Ohne eine Regulierung, die er für richtig hält, werde die Technologie nicht sicher.