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KI-Anwendungen · KI-Agenten

Die dritte Sorte Besucher: Wie KI-Agenten das Internet umbauen

Persönliche KI-Agenten buchen Reisen, verhandeln Preise und kaufen ein. Viele Websites sperren sie aus – andere bauen ihnen eigene Kassen. Der Streit entscheidet, für wen das Netz künftig optimiert wird.

deepdaive Team ·

Foto: Nataliya Vaitkevich / Pexels
Foto: Nataliya Vaitkevich / Pexels

Berlin, 20. Oktober 2026 – Bis vor kurzem ließ sich das Publikum im Netz in zwei Kategorien teilen: Bots und Menschen. Websites erlaubten Bots bestimmte automatische Aufgaben, etwa das Auslesen von Seiteninhalten, und regelten in ihren Nutzungsbedingungen, was sie dürfen und was nicht. Das Netz war für Menschen gebaut – notfalls mit Captchas als Beweis.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Diese Ordnung kippt gerade. Persönliche KI-Agenten, die Flüge buchen, Hotels reservieren oder Preise vergleichen, sind in großem Stil auf den Markt gekommen: mit Apps wie OpenAIs „Dots" und Metas „Muse". Muse wurde im ersten Monat fünf Millionen Mal heruntergeladen, und der agentische Web-Verkehr hat sich von August auf September verdreifacht.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Ein Besucher, den das Regelwerk nicht kennt

Das Zusammentreffen dieser Agenten mit menschlichen Besuchern ist bislang schlecht verlaufen. Viele Websites blockieren KI-Agenten, die Verbraucher zum Verhandeln von Preisen oder Planen von Urlauben losgeschickt haben.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/] Der Grund ist strukturell: Agenten sind keine Menschen, sie arbeiten im Maschinentempo – aber sie sind auch keine Bots im klassischen Sinn, weil sie im Auftrag einzelner Personen legitime Aufgaben erledigen. Sie passen schlicht nicht in die Systeme, mit denen das Netz bislang Bots von Menschen unterscheidet.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Also sperren security-bewusste Plattformen sie vorsichtshalber komplett. Nutzer berichteten von Problemen auf Seiten von Pizza Hut bis Yelp, das KI keine Restaurantreservierungen erlaubt. Amazon hat die Agenten von Muse blockiert und führt einen Rechtsstreit gegen das Start-up Perplexity, um dessen Agenten ebenfalls auszusperren. Ein Richter entschied zuletzt zugunsten von Perplexity; Amazon legte Berufung ein und argumentiert, KI-Agenten bedrohten sein Werbegeschäft, weil sich Werbung für Menschen und für Bots immer schwerer unterscheiden lasse.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Eigene Kassen für Agenten

Die Blockaden sind für Early Adopters lästig – und dürften nach Einschätzung von Ethan Mollick von der Wharton School bald das ganze Netz betreffen. Sobald bekannt werde, dass Agenten Rückerstattungen verlangen oder Preise verhandeln können, würden sie Kundenserviceabteilungen überrennen, bis diese für echte Menschen unbrauchbar sind. „Menschen werden sich irgendwann sehr ärgern, wenn ihre Agenten das nicht für sie tun dürfen", schrieb Mollick laut dem Bericht.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Weil der weitaus größte Teil des agentischen Verkehrs auf E-Commerce-Seiten entfällt, gibt es für Plattformen aber Geld zu verdienen, wenn sie die Agenten hereinlassen. Shopify macht es bereits vor und richtet ihnen eigene Kassen ein, die die für Menschen gestalteten Seiten umgehen.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Was vom Netz für Menschen übrig bleibt

Die drängende Frage ist, was in diesem Prozess aus dem Internet für alle anderen wird. Man habe sich an ein Netz gewöhnt, das die Aufmerksamkeit der Nutzer zunehmend ausbeute, in dem Menschen aber wenigstens die intendierten Nutzer blieben. Dieses Netz könne einem weichen, das für Agenten optimiert ist – und für die übrig gebliebenen Menschen noch unangenehmer werde.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Wie das aussehen könnte, beschreibt der Beitrag in mehreren Szenarien: Websites verkommen als Ziele für echte Menschen, wer selbst stöbern und vergleichen will, findet schlechtere Oberflächen vor. Verifizierungssysteme sind unvollkommen – man stelle sich vor, ständig beweisen zu müssen, ein Mensch und kein Agent zu sein, womöglich per Iris-Scan. Der Pullover hat keinen Preis für alle mehr, sondern zeigt verschiedenen Menschen über ihre Agenten verschiedene Preise. Und man kann nie sicher erkennen, ob die Empfehlung des eigenen Agenten von Werbung oder Provisionen beeinflusst war.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Das ist weit entfernt von der Zukunft, die Google, Anthropic und OpenAI versprechen: Agenten, die Verbrauchern mehr Macht und Verhandlungshebel geben. Diese Verheißung ist nicht abwegig – Agenten können Menschen helfen, indem sie falsche Arztrechnungen anfechten oder günstigere Autoversicherungen recherchieren.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]

Die Regeln entstehen gerade

Ob das gelingt, hängt an den Regeln dafür, wie Agenten mit Websites interagieren und was sie dürfen. Einige davon nützen allen – weder Verbraucher noch Unternehmen wollen, dass Kreditkartendaten von Agenten quer durchs Netz getragen werden, und strengere Sicherheitsvorgaben sind sinnvoll. Umstritten ist anderes: ob Unternehmen Agenten von ihren Seiten aussperren dürfen und ob sie verhindern können, dass diese bessere Konditionen für Verbraucher aushandeln. Genau daran entscheidet sich, ob das Netz zur Schnellstraße für Agenten wird, die für uns arbeiten – oder gegen uns.^[MIT Technology Review – Making the internet better for AI agents might make it worse for everyone else – url: https://www.technologyreview.com/2026/10/19/1147186/making-the-internet-better-for-ai-agents-might-make-it-worse-for-everyone-else/]