TikTok · ByteDance
25,5 Millionen Euro Strafe: Brasilien stellt TikTok beim Kinderschutz an den Pranger
Brasiliens Datenschutzbehörde verhängt gegen TikTok eine Strafe von rund 25,5 Millionen Euro – wegen des Umgangs mit Daten von Kindern und Jugendlichen. Der Fall zeigt, wie der Druck auf Plattformen weltweit wächst.
Brasília, 25. August 2026 – TikTok steht in Lateinamerikas größtem Land nun offiziell am Pranger: Brasiliens Datenschutzbehörde ANPD hat gegen ByteDance, den Betreiber der Kurzvideo-Plattform, eine Strafe von umgerechnet rund 25,5 Millionen Euro verhängt. Der Vorwurf: TikTok habe personenbezogene Daten von Kindern und Jugendlichen ohne ausreichende gesetzliche Grundlage verarbeitet und nicht genügend Maßnahmen ergriffen, um das zu verhindern. Insgesamt stellte die Behörde fünf Verstöße gegen das brasilianische Datenschutzgesetz fest.^[Handelsblatt – Datenschutz bei Kindern: Brasilien verhängt 25-Millionen-Euro-Strafe gegen TikTok – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/datenschutz-bei-kindern-brasilien-verhaengt-25-millionen-euro-strafe-gegen-tiktok/100249665.html]
Mehr als nur eine Geldstrafe
Die Entscheidung aus Brasília wirkt weit über das Bußgeld hinaus. ByteDance muss unrechtmäßig erhobene Daten löschen und einen Plan für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen umsetzen. Konkret sollen für Nutzerinnen und Nutzer unter 16 Jahren strengere Datenschutzeinstellungen gelten, die elterliche Kontrolle ausgebaut und der Schutz vor ungeeigneten Inhalten verbessert werden. Wer die Plattform ohne Registrierung nutzt, soll künftig keine Werbung und keine Direktnachrichten mehr sehen; auch die Personalisierung der Inhalte soll eingeschränkt werden. Die Vorwürfe betreffen ausdrücklich sowohl die Nutzung ohne Registrierung als auch registrierte Konten.^[Handelsblatt – Datenschutz bei Kindern: Brasilien verhängt 25-Millionen-Euro-Strafe gegen TikTok – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/datenschutz-bei-kindern-brasilien-verhaengt-25-millionen-euro-strafe-gegen-tiktok/100249665.html] ByteDance kann innerhalb von zehn Werktagen Einspruch einlegen – der Konzern dürfte diesen Weg prüfen.
Ein weltweites Muster
Der brasilianische Schritt ist kein Einzelfall, sondern Teil einer globalen Bewegung gegen Plattformen, deren Algorithmen gerade junge Nutzerinnen und Nutzer besonders stark binden. Die EU-Kommission wirft TikTok vor, Minderjährige nicht ausreichend vor Risiken wie Cybermobbing zu schützen. In den USA einigte sich TikTok erst vor wenigen Tagen auf einen Vergleich über 400 Millionen Dollar wegen Vorwürfen, Daten von Kindern ohne Zustimmung der Eltern gesammelt zu haben.^[Handelsblatt – Datenschutz bei Kindern: Brasilien verhängt 25-Millionen-Euro-Strafe gegen TikTok – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/datenschutz-bei-kindern-brasilien-verhaengt-25-millionen-euro-strafe-gegen-tiktok/100249665.html] Dabei ist TikTok in Brasilien eines der reichweitenstärksten sozialen Netzwerke überhaupt – die Strafe trifft den Konzern also in einem seiner wichtigsten Märkte. Unter Druck stehen auch die KI-Anbieter selbst: OpenAI hat erst in der Vorwoche mit „ChatGPT for Teens“ eine eigene Variante für Minderjährige gestartet – mit Lernmodus und erweiterten Elternkontrollen –, weil auch Chatbots wegen emotionaler Abhängigkeiten und unzureichendem Jugendschutz in die Kritik geraten waren.^[F.A.Z. – ChatGPT für Teenager: Open AI nimmt Jugendliche ins Visier – url: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/openai-nimmt-mit-chatgpt-for-teens-jugendliche-ins-visier-accg-201136358.html]
Die Lehre für die KI-Ära
Der Fall ist auch ein Signal für die gesamte Plattform- und KI-Industrie: Aufsichtsbehörden lassen sich nicht länger mit Selbstverpflichtungen abspeisen, wenn es um den Schutz Minderjähriger geht. Wer personalisierte Empfehlungssysteme im Massenmarkt betreibt, muss nachweisen, dass sie für Kinder und Jugendliche sicher sind – oder er zahlt. Brasilien, die EU und die USA ziehen dabei inzwischen in dieselbe Richtung, wenn auch mit unterschiedlicher Härte. Ob ByteDance die Auflagen akzeptiert oder vor Gericht zieht, dürfte richtungsweisend sein für die Frage, wie weit die Regulierung von Plattformen künftig reicht.