KI-Politik · Desinformation
Einflussnahme mit KI: OpenAI deckt russische und iranische Kampagnen auf
Statt klassischer Social-Media-Kampagnen setzen staatliche Akteure auf gefälschte Journalisten und Think Tanks – und platzieren KI-gestützte Falschmeldungen in echten Medien. Europa streitet parallel über chinesische Router.
Berlin, 10. Oktober 2026 – Staatliche Einflusskampagnen mit Künstlicher Intelligenz werden raffinierter. Wie OpenAI in seinem jüngsten Bericht darlegt, setzen russische und iranische Akteure nicht mehr nur auf soziale Netzwerke, sondern platzieren gefälschte Inhalte mitten in der seriösen Medienlandschaft. Parallel ringt Europa um die Kontrolle über seine digitale Infrastruktur.
Gefälschte Think Tanks, echte Reaktionen
OpenAI deckte eine russische und eine iranische Einflusskampagne auf und sperrte die beteiligten ChatGPT-Konten. Beide nutzten gefälschte Identitäten, um Inhalte in legitimen Medien zu platzieren, statt klassische Social-Media-Kampagnen zu fahren.^[The Decoder – OpenAI uncovers Russian and Iranian influence ops that planted fake stories in real news outlets – url: https://the-decoder.com/openai-uncovers-russian-and-iranian-influence-ops-that-planted-fake-stories-in-real-news-outlets/]
Die russische Kampagne „Dark Clark" verbreitete in Lateinamerika Desinformation, um die Ukraine zu diskreditieren und lokale Politik zu destabilisieren. Die Akteure kontrollierten über eine fiktive Person einen Think Tank und banden mutmaßlich ohne deren Wissen örtliche Mitarbeiter ein. Gefälschte Audiodateien und Dokumente lösten in Ecuador und Peru Faktenchecks und offizielle Dementis aus. OpenAI stuft die Kampagne mit Stufe 5 von 6 auf der „Breakout Scale" ein, weil Politiker auf die Inhalte reagierten – der erste Fall dieser Kategorie in zweieinhalb Jahren Berichterstattung.^[The Decoder – OpenAI uncovers Russian and Iranian influence ops that planted fake stories in real news outlets – url: https://the-decoder.com/openai-uncovers-russian-and-iranian-influence-ops-that-planted-fake-stories-in-real-news-outlets/]
Sieben Fake-Journalisten
Die iranische Kampagne „Bogus Bylines" nutzte sieben erfundene Journalisten, um fast 100 Artikel über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran in Online-Medien weltweit zu platzieren. Ergänzend wurden Social-Media-Kommentare erzeugt, die aber kaum Wirkung entfalteten. Auffällig ist, wofür die KI vor allem eingesetzt wurde: für interne Recherchen und die Anpassung der Propaganda an verschiedene Sprachen.^[The Decoder – OpenAI uncovers Russian and Iranian influence ops that planted fake stories in real news outlets – url: https://the-decoder.com/openai-uncovers-russian-and-iranian-influence-ops-that-planted-fake-stories-in-real-news-outlets/]
Wer kontrolliert die Infrastruktur?
Dass Einflussnahme und technische Sicherheit zusammenhängen, zeigt auch eine Debatte über Hardware. Über den Router läuft zu Hause der komplette Datenverkehr, doch selbst die Deutsche Telekom lässt solche Geräte zu einem guten Teil in China herstellen.^[F.A.Z. – Router aus China: Der Feind im Wohnzimmer – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/router-aus-china-warum-fritz-ein-verbot-fordert-201302727.html] In den USA sind im Ausland produzierte Router laut F.A.Z. bereits vom Markt ausgeschlossen worden; europäische Anbieter, allen voran Fritz, fordern, dass die EU-Kommission ähnlich handelt.^[F.A.Z. – Router aus China: Der Feind im Wohnzimmer – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/router-aus-china-warum-fritz-ein-verbot-fordert-201302727.html]
Bemerkenswert offen bleibt dabei die Rolle der KI: Ob die Fähigkeit, Sicherheitslücken mit Künstlicher Intelligenz rasch aufzudecken, eher dem Angreifer oder dem Verteidiger hilft, kann laut F.A.Z. niemand seriös beantworten. Klar sei nur, dass mehr Transparenz über Herkunft und Fertigung eine Aufgabe der Politik wäre.^[F.A.Z. – Router aus China: Der Feind im Wohnzimmer – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/router-aus-china-warum-fritz-ein-verbot-fordert-201302727.html]
Beide Entwicklungen greifen ineinander: Wer die öffentliche Meinung mit KI beeinflussen will, braucht keine Reichweite in sozialen Netzwerken mehr – es genügt, glaubwürdige Medien und Geräte zu unterwandern. Die Antwort darauf ist bislang vor allem eine Frage der Kontrolle über Herkunft, Transparenz und Infrastruktur.