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Künstliche Intelligenz · KI-Anwendungen

Wenn Antworten klickbar werden: GPT-6 baut ChatGPT um – und ein Entwickler klont Adobe

OpenAI verwandelt ChatGPT mit „Intelligent UI" in eine interaktive Oberfläche aus Diagrammen, Buttons und Mini-Apps. Parallel zeigt ein Entwickler, wie Claude Opus 5.5 ganze Photoshop-Klone entstehen lässt – ein Vorgeschmack darauf, wie KI Software verändert.

deepdaive Team ·

Foto: iam hogir / Pexels
Foto: iam hogir / Pexels

Berlin, 8. Oktober 2026 – Zwei Entwicklungen zeigen an einem Tag, wie tief KI in die Softwarewelt eindringt: OpenAI macht aus dem Chatbot eine bedienbare Oberfläche, und ein Entwickler lässt eine ganze Programm-Suite per KI nachbauen.

Abschied vom Textblock

OpenAI rollt GPT-6 mit einer Funktion namens „Intelligent UI" für alle ChatGPT-Nutzer aus. Statt schlichter Textantworten zeigt das Modell seine Ergebnisse nun als interaktive Oberflächen mit Grafiken, Buttons, Diagrammen und Formularen. Das Format passe sich automatisch der Frage an: Vergleiche erscheinen nebeneinander, Erklärungen werden zu anklickbaren Charts. Nutzer können sogar kleine Werkzeuge direkt im Chat bauen lassen – etwa einen Sparrechner oder ein Spiel.^[The Decoder – ChatGPT with GPT-6 ditches mostly text output for interactive UI with charts, buttons, and mini apps – url: https://the-decoder.com/chatgpt-with-gpt-6-ditches-mostly-text-output-for-interactive-ui-with-charts-buttons-and-mini-apps/] Google hatte eine ähnliche Funktion bereits im Mai mit „Neural Expressive" in seinen Gemini-Chatbot gebracht.^[The Decoder – ChatGPT with GPT-6 ditches mostly text output for interactive UI with charts, buttons, and mini apps – url: https://the-decoder.com/chatgpt-with-gpt-6-ditches-mostly-text-output-for-interactive-ui-with-charts-buttons-and-mini-apps/]

Antworten schon während des Denkens

GPT-6 kann zudem antworten, während es noch „denkt". OpenAI zufolge sinken die Wartezeiten dadurch um 44 Prozent, und die Antworten können sogar besser werden: In internen Tests schnitt GPT-6 bei schwierigen Websuchen mit dieser Methode besser ab als der Vorgänger GPT-5.6.^[The Decoder – ChatGPT with GPT-6 ditches mostly text output for interactive UI with charts, buttons, and mini apps – url: https://the-decoder.com/chatgpt-with-gpt-6-ditches-mostly-text-output-for-interactive-ui-with-charts-buttons-and-mini-apps/] Zahlende Kunden erhalten das Modell als GPT-6 Sol, kostenlose Nutzer als GPT-6 Luna. Der Start erfolgt weltweit für Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Kunden, Free- und Go-Nutzer folgen einen Tag später.^[The Decoder – ChatGPT with GPT-6 ditches mostly text output for interactive UI with charts, buttons, and mini apps – url: https://the-decoder.com/chatgpt-with-gpt-6-ditches-mostly-text-output-for-interactive-ui-with-charts-buttons-and-mini-apps/]

„Software is over": Adobe-Klone in Rust

Wie weit KI beim Bau von Software inzwischen trägt, demonstriert der Entwickler Brandon Thomas. Seine Marke Artcraft stellte über das Wochenende eine Suite aus sieben Open-Source-Apps vor, die Oberfläche und Werkzeuge von Adobes Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro nachbilden.^[Ars Technica – „Software is over": Bold AI developer takes aim at Adobe with open source clones – url: https://arstechnica.com/ai/2026/10/software-is-over-bold-ai-developer-takes-aim-at-adobe-with-open-source-clones/] Thomas zufolge entstanden die „Clean-Room"-Nachbauten mithilfe von Anthropics Claude Opus 5.5 in der Programmiersprache Rust, mit WebAssembly-Versionen für den Browser. Finanziert werden die unter MIT- und Apache-Lizenzen stehenden Apps durch den Verkauf tokenbasierten Zugangs zu seinem bestehenden Bild-KI-Modell.^[Ars Technica – „Software is over": Bold AI developer takes aim at Adobe with open source clones – url: https://arstechnica.com/ai/2026/10/software-is-over-bold-ai-developer-takes-aim-at-adobe-with-open-source-clones/]

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Noch befindet sich das Projekt in einer „super frühen Alpha" – Kommentatoren auf Hacker News und anderswo listen zahlreiche Schwächen auf.^[Ars Technica – „Software is over": Bold AI developer takes aim at Adobe with open source clones – url: https://arstechnica.com/ai/2026/10/software-is-over-bold-ai-developer-takes-aim-at-adobe-with-open-source-clones/] Thomas verspricht dennoch ehrgeizige Ziele: Zunächst war von „100 Prozent Funktionsparität innerhalb eines Monats" die Rede, wenig später korrigierte er sich auf Hacker News zu „99 Prozent – gemessen in Monaten, nicht Jahren".^[Ars Technica – „Software is over": Bold AI developer takes aim at Adobe with open source clones – url: https://arstechnica.com/ai/2026/10/software-is-over-bold-ai-developer-takes-aim-at-adobe-with-open-source-clones/] Rechtlich bewegt sich das Vorhaben auf dünnem Eis: Reverse Engineering gilt zwar grundsätzlich als zulässig, doch wenn das „Trade Dress" – also das vertraute Erscheinungsbild – Adobe zu stark ähnelt, könnte es Ärger geben.^[Ars Technica – „Software is over": Bold AI developer takes aim at Adobe with open source clones – url: https://arstechnica.com/ai/2026/10/software-is-over-bold-ai-developer-takes-aim-at-adobe-with-open-source-clones/]

Beide Beispiele deuten in dieselbe Richtung: KI verändert nicht nur, wie wir Software benutzen, sondern auch, wie und von wem sie gebaut wird. Ob am Ende fertige Produkte oder nur ambitionierte Prototypen stehen, wird sich an der Praxis entscheiden.