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KI-Anwendungen · Medizin

Mehr als Kostensparen: Wo KI schon heute Medikamente, Essen und Roboter besser macht

KI soll nicht nur Prozesse billiger machen, sondern bessere Produkte ermöglichen: vom salzarmen Brühwürfel über eine neue Sonnencreme bis zu Wirkstoffen gegen resistente Keime. Parallel bringt Tesla humanoide Roboter in die Fertigung – gegen den Widerstand der eigenen Belegschaft.

deepdaive Team ·

Foto: Mikhail Nilov / Pexels
Foto: Mikhail Nilov / Pexels

Berlin, 26. September 2026 – In der öffentlichen Debatte über Künstliche Intelligenz dominiert oft die Frage, wie sie Jobs ersetzt oder Kosten senkt. Wo KI aber tatsächlich die Qualität von Produkten verbessert, bleibt häufig unterbelichtet. Eine Analyse der F.A.Z. zeigt anhand konkreter Beispiele, dass der Fortschritt schon begonnen hat – und wie weit der Weg zum großen Versprechen noch ist.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html]

Wenn die Rezeptur zum Rechenproblem wird

Der Lebensmittelkonzern Unilever wollte für seine Knorr-Brühwürfel eine Variante ohne zugesetztes Salz auf den Markt bringen – ohne Geschmacksverlust und bei gleichem Zerbröseln und Löseverhalten. Die KI durchsuchte unter Tausenden Stoffen nach Zutatenkombinationen, die die Funktion des Salzes ersetzen; die vielversprechendsten Optionen wurden getestet und das Produkt schließlich eingeführt.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html] Ähnlich ging der Konzern bei einer veganen Mayonnaise vor. Der Rivale Heinz Kraft gründete 2022 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chilenischen KI-Start-up Not Co, um pflanzliche Alternativen zu entwickeln; der japanische Kosmetikkonzern Shiseido ließ eine KI mehr als 500.000 Formulierungsdatenpunkte auswerten und entwickelte so eine neue Sonnencreme-Rezeptur.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html]

Zwei Minuten statt drei Wochen

Moritz Maier entwickelt mit seinem Start-up Synera KI-Agenten für Ingenieursprozesse, die nach Aufforderung Software für Konstruktion, Simulation oder Kostenberechnung bedienen. Ein Autohersteller habe für die Entwicklung eines Becherhalters für die Mittelkonsole so zwei Minuten statt drei Wochen gebraucht.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html] „Durch Künstliche Intelligenz können Ingenieure in der Produktentwicklung in kürzester Zeit viel mehr Ideen und Varianten testen", sagt Maier – die Entscheidung und Verantwortung bleibe beim Menschen.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html] Zu den Kunden gehört die NASA, die mit dem Projekt „Text-to-Spaceship" KI in die Konstruktion von Raumfahrzeugen integrieren will.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html]

Die Suche nach dem neuen Antibiotikum

In der Medizin ist die Fähigkeit, Stoffkombinationen automatisch zu analysieren, ein großer Hoffnungsträger. Ein Forschungsteam um James Collins vom MIT trainierte ein KI-Modell darauf, die antibakterielle Wirkung von Molekülen vorherzusagen – und stieß auf Halicin, einen zuvor als mögliches Diabetesmedikament untersuchten, aber nie zugelassenen Wirkstoff, der nach einem völlig anderen Prinzip wirkt.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html] Der Bonner Professor Jürgen Bajorath bremst allerdings: Halicin habe die präklinische Prüfung nicht überstanden und sei nie auf den Markt gekommen; der endgültige Erfolg von KI in der Medikamentenentwicklung lasse sich noch nicht fundiert beurteilen.^[F.A.Z. – Medizin, Essen, Haushalt: Kann die KI mehr als nur Kosten sparen? – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-kann-ki-mehr-als-kosten-sparen-201251373.html]

Humanoide Roboter – mit Gegenwind

Ein zweites Feld, auf dem KI greifbar wird, ist die Fertigung. Tesla hat in seinem Werk in Fremont (Kalifornien) die Produktion von Model S und Model X eingestellt und Arbeitskräfte wie Ingenieure auf den humanoiden Roboter Optimus umgeschichtet; Konzernchef Elon Musk hat die Zukunft des Unternehmens auf KI und Robotik gewettet.^[Ars Technica – Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacements – url: https://arstechnica.com/ai/2026/09/tesla-workers-balk-at-training-optimus-humanoid-robots-as-replacements/] Die Fertigung der aktuellen Version Optimus V3 erweist sich jedoch als schwierig: Jede Hand hat mehr als 100 kleine Bauteile, die manuell montiert werden müssen, und die Touch-Sensoren waren so unzuverlässig, dass Tesla eine austauschbare sensorische Handschuhschicht entwickelte.^[Ars Technica – Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacements – url: https://arstechnica.com/ai/2026/09/tesla-workers-balk-at-training-optimus-humanoid-robots-as-replacements/]

Um genug Trainingsdaten zu sammeln, ließ Tesla Beschäftigte in Texas und Kalifornien Anzüge tragen, die ihre Bewegungen aufzeichnen. Manche klagten – sie „wüssten, dass die Roboter gebaut würden, um sie irgendwann zu ersetzen". Tesla verlagerte die Datenerfassung daraufhin auf eigene Teams.^[Ars Technica – Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacements – url: https://arstechnica.com/ai/2026/09/tesla-workers-balk-at-training-optimus-humanoid-robots-as-replacements/] Die Herausforderungen sind branchenweit ähnlich: Toyota will Milliarden in die Fabrik-Aufrüstung mit Robotern investieren, Hyundai bis zu 25.000 Atlas-Roboter einsetzen.^[Ars Technica – Tesla workers balk at training Optimus humanoid robots as replacements – url: https://arstechnica.com/ai/2026/09/tesla-workers-balk-at-training-optimus-humanoid-robots-as-replacements/]

Fortschritt mit Fragezeichen

Die Beispiele zeigen, dass KI längst mehr kann als nur Kosten senken – ob in Rezepturen, Konstruktionen oder Medikamentenforschung. Sie zeigen aber auch, wo die Grenzen liegen: zwischen Laborerfolg und Marktreife, zwischen Produktivitätsgewinn und dem Misstrauen derer, die die Systeme trainieren. Wie schnell aus dem Fortschrittsversprechen spürbare Verbesserungen werden, dürfte weniger von der Rechenleistung abhängen als davon, ob Menschen die Systeme akzeptieren und verantworten.