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Künstliche Intelligenz · KI-Anwendungen

Luna führt den Laden: Was passiert, wenn eine KI Chefin ist

In San Francisco führt die KI-Agentin Luna seit April einen echten Laden – mit 100.000 Dollar Budget. Finanziell läuft es mäßig, menschlich überraschend gut. Parallel arbeiten Konzerne an Agenten, die reden und dabei arbeiten.

deepdaive Team ·

Foto: Valentina Lara / Pexels
Foto: Valentina Lara / Pexels

Berlin, 21. September 2026 – Ein Ladengeschäft in bester Lage von San Francisco, geführt von einer KI: Das Start-up Andon Labs hat im April 2026 einen echten Shop eröffnet, dessen Chefin die KI-Agentin Luna ist. Nach rund fünf Monaten fällt die Bilanz gemischt aus – die Belegschaft aber ist zufrieden.

Eine Chefin, die nie schläft

Andon Labs stattete Luna mit einem Budget von 100.000 Dollar aus. Die Agentin soll rund um die Uhr arbeiten und selbst entscheiden: Sie kontrolliert Banking, E-Mails, Buchhaltung und Überwachungskameras, bestellt und bepreist die Produkte und managt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter samt Schichtplänen. Sogar das Logo soll sie selbst entwickelt haben.^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101]

Nett, aber teuer

Die Zwischenbilanz zeigt, dass sich die KI als Shop-Betreiberin schwer tut. Das Budget ist auf gut 60.000 Dollar geschrumpft – ein Minus von knapp 40 Prozent. Den Einnahmen von rund 20.000 Dollar stehen allein etwa 20.000 Dollar an KI-Kosten gegenüber, die Andon Labs an den Claude-Entwickler Anthropic zahlen muss.^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101] Auch bei den Preisen greift Luna daneben: Das Buch „The Making of the Atomic Bomb" von Richard Rhodes kostet in ihrem Laden 48 Dollar – regulär sind es 25 Dollar.^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101]

Als Führungskraft schlägt sie sich dafür umso besser – zumindest aus Sicht der Angestellten. Nachrichten zum Dienstplan sind freundlich gehalten, und bei Bitten um freie Tage zeigt sich die Agentin großzügig. So hat sie bisher keine Verwarnungen ausgesprochen, obwohl Mitarbeiter 27-mal zu spät kamen; eine typische Antwort: „Kein Stress, komm gut an. Wenn jemand vor dem Laden wartet, wird er für ein paar Minuten überleben."^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101] Andon Labs musste allerdings mehrfach eingreifen, weil sich die KI-Agentin nicht an das Arbeitsrecht hielt, wenn Mitarbeiter nicht darauf achteten.^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101]

Für Gründer Lukas Petersson ist der freundliche Ton kein Fehler: Wäre Luna stärker auf finanziellen Erfolg gepromptet worden, wäre sie wohl nicht mehr so nett; rücksichtslosere Modelle hätten in Tests mehr Profit gemacht.^[t3n – Verluste, aber zufriedene Mitarbeiter: Wie KI einen Shop in San Francisco führt – url: https://t3n.de/news/verluste-zufriedene-mitarbeiter-ki-shop-san-francisco-1763101]

Der Agent, der zuhört, während er arbeitet

Während Luna einen Laden führt, tüfteln andere an Agenten fürs Büro. Tencent hat mit Gander ein Modell vorgestellt, das ein Echtzeitgespräch führt und parallel Aufgaben im Hintergrund erledigt – es verarbeitet Sprache, Bilder und Text. Ein „Cerebellum" hält das Gespräch am Laufen, ein austauschbares „Brain" kümmert sich um komplexe Agentenaufgaben, etwa Dateien zu durchsuchen oder Code zu schreiben; Nutzer können jederzeit unterbrechen.^[The Decoder – Tencent's Gander aims to keep talking while it works in the background – url: https://the-decoder.com/tencents-gander-aims-to-keep-talking-while-it-works-in-the-background/]

In Tests unterbrach Gander die Nutzer nur in 8 Prozent der Fälle und damit seltener als GPT-Realtime (13,5 Prozent) und die schwächste Konkurrenz (fast 48 Prozent) – bei der Aufgaben-Genauigkeit lag es dafür leicht unter dem schwächsten Wettbewerber. Tencent will die Gewichte und Trainingsdaten veröffentlichen; ein GitHub-Repository für den Code existiert bereits.^[The Decoder – Tencent's Gander aims to keep talking while it works in the background – url: https://the-decoder.com/tencents-gander-aims-to-keep-talking-while-it-works-in-the-background/]

Agenten als Kollegen

Ob im Laden oder am Telefon: KI-Agenten rücken aus dem Chatfenster in reale Rollen – als Vorgesetzte, Gesprächspartner, Kollegen. Luna zeigt dabei anschaulich die Grenzen: Ohne Kontrolle von außen scheitert die Agentin an Buchhaltung, Preisen und Arbeitsrecht. Die Frage ist weniger, ob Agenten Aufgaben übernehmen, sondern wie viel Aufsicht sie dabei brauchen.