Künstliche Intelligenz · KI-Agenten
Von Robotern, Banken und Bewerbungen: KI-Agenten im Praxistest
Google will Robotern mit Gemini 4 Argon das Lernen in der Simulation beibringen, die Bank of America setzt 4.000 Menschen auf KI-gefundene Sicherheitslücken an, und McKinsey lässt Bewerber mit einem KI-Kunden sprechen.
Berlin, 16. Oktober 2026 – KI-Agenten sind von der Vorführung in den Alltag gewandert. Drei Beispiele zeigen, wie Unternehmen und Labore sie heute einsetzen – und wie unterschiedlich die Aufgaben sind.
Roboter üben erst virtuell
Google bewirbt sein Modell Gemini 4 Argon als einziges Werkzeug für die gesamte Robotik-Pipeline: Es steuert Roboter, baut interaktive Trainingswelten und bewertet Trainingsvideos. Im gezeigten Beispiel soll ein Boston Dynamics Spot Dosen in einen Tretmülleimer werfen. Bevor der Roboter die echte Pedale berührt, baut Argon aus einem Foto einen virtuellen Zwilling des Eimers; der Roboter übt in einer MuJoCo-Simulation, erst dann folgt der Versuch an echter Hardware. Zwei zusätzliche KI-Agenten prüfen dabei, ob Fuß und Greifer richtig positioniert sind.^[The Decoder – Google wants Gemini 4 Argon to be the only AI model robots need – url: https://the-decoder.com/google-wants-gemini-4-argon-to-be-the-only-ai-model-robots-need/]
Aus einem einzigen Foto eines Tisches erzeugte das Modell ein virtuelles Replikat, leitete 77 Aufgaben ab und generierte mehr als 4.500 Trainings-Episoden für ein Steuerungsmodell. Die Erfolgsrate am echten Roboter stieg dadurch von 56 auf 75 Prozent, die Ausführungszeit sank von 35 auf 24 Sekunden. Sogar eine Kugelschreiber-Skizze genügt: Aus einer Zeichnung baute Argon eine Simulation, in der ein humanoider Roboter sechs Kartons mit einem Wurf umstößt, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.^[The Decoder – Google wants Gemini 4 Argon to be the only AI model robots need – url: https://the-decoder.com/google-wants-gemini-4-argon-to-be-the-only-ai-model-robots-need/]
Google nennt das einen weiteren Schritt zu „physical AGI". Zugleich zeigt sich in den Beispielen, wie viel menschliche Anleitung die Demos noch brauchen; verfügbar ist Argon über Googles bezahlte Entwicklerprogramme.^[The Decoder – Google wants Gemini 4 Argon to be the only AI model robots need – url: https://the-decoder.com/google-wants-gemini-4-argon-to-be-the-only-ai-model-robots-need/]
4.000 Menschen gegen KI-gefundene Lücken
Ein ganz anderes Einsatzfeld ist die Software-Sicherheit. Die Bank of America hat laut CNBC 1.000 externe Auftragnehmer eingestellt, um Schwachstellen zu beheben, die KI-Modelle wie Anthropics Mythos aufgedeckt haben; seit dem zweiten Quartal arbeiten sie mit 3.000 internen Mitarbeitern zusammen. Konzernchef Brian Moynihan zufolge flossen im dritten Quartal einige hundert Millionen Dollar in die Softwarearbeit und die Anti-Geldwäsche-Auflagen zusammen – eine separate Zahl für das Schließen der Lücken nannte er nicht.^[The Decoder – Bank of America puts 4,000 people on fixing vulnerabilities uncovered by Anthropic's Mythos and other AI models – url: https://the-decoder.com/bank-of-america-puts-4000-people-on-fixing-vulnerabilities-uncovered-by-anthropics-mythos-and-other-ai-models/]
Anthropic hatte Mythos im April über das Programm „Project Glasswing" nur ausgewählten Partnern zugänglich gemacht und erklärt, das Modell habe Tausende schwerer Sicherheitslücken gefunden; OpenAI folgte im Mai mit seinem Cybersicherheitsprogramm „Daybreak". Die Kritik, das sei vor allem PR, ließ nach Vorfällen wie dem Hugging-Face-Hack und unabhängigen Tests nach, die den Modellen stärkere Fähigkeiten bescheinigten.^[The Decoder – Bank of America puts 4,000 people on fixing vulnerabilities uncovered by Anthropic's Mythos and other AI models – url: https://the-decoder.com/bank-of-america-puts-4000-people-on-fixing-vulnerabilities-uncovered-by-anthropics-mythos-and-other-ai-models/]
Bewerbungsgespräch mit der KI
Auch das Personalwesen verändert sich. Beim Beratungsunternehmen McKinsey müssen sich Bewerber in den nordamerikanischen Büros seit Herbst 2026 im ersten Schritt einem Gespräch mit einer KI stellen. Die Kandidaten sprechen rund zehn Minuten vor Ort mit einem Modell, das einen Kunden imitiert; andere Menschen im Raum beobachten und bewerten die Entscheidungen. Eine Bewertung durch die KI selbst gibt es am Ende nicht.^[t3n – KI-Kunden sollen Bewerber testen: Was sich das Beratungsunternehmen McKinsey davon erhofft – url: https://t3n.de/news/ki-kunden-bewerbungen-mckinsey-1768410]
Bewusst knifflige oder cholerische Szenarien seien nicht programmiert; es gehe um die Alltagslagen des späteren Jobs. McKinsey-Partner Saleem Zafar beschreibt, worauf es ankommt: „Die Dinge, auf die ich achte, sind: Hast du wirklich zugehört, als es um wichtige Dinge ging? Hast du anhand dieser Informationen gehandelt? […] Was wir wissen wollen, ist, wie du auf sich verändernde Stimuli reagierst."^[t3n – KI-Kunden sollen Bewerber testen: Was sich das Beratungsunternehmen McKinsey davon erhofft – url: https://t3n.de/news/ki-kunden-bewerbungen-mckinsey-1768410]
Ob Roboter, Bank oder Bewerbungsgespräch: Der Nutzen der Agenten wächst dort, wo Menschen die Ergebnisse prüfen und an den richtigen Stellen eingreifen.