Künstliche Intelligenz · KI-Agenten
KI verlässt den Bildschirm: Von Laborrobotern bis zu Videoklonen
Anthropic will mit einem Hardware-Standard KI-Agenten die Steuerung physischer Geräte ermöglichen – vom Versuchsaufbau bis zum Roboterarm. Und Synthesia treibt digitale Videoklone für die Unternehmenskommunikation voran.
Berlin, 28. August 2026 – Autonome KI beschränkte sich bislang weitgehend auf Text, Bilder und Code. Anthropic will das nun ändern: Mit dem „Model Hardware Standard“ (MHS) stellt das Unternehmen einen Satz standardisierter Treiber vor, der KI-Agenten die Steuerung beliebiger Geräte ermöglichen soll.^[Ars Technica – Anthropic's new hardware standard lets AI agents control the physical world – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/anthropics-new-hardware-standard-lets-ai-agents-control-the-physical-world/]
Die Maschine als Schnittstelle
In der „Research Preview“ steht zunächst die Wissenschaft im Fokus: MHS schafft eine gemeinsame Schnittstelle und ein gemeinsames Datenformat, damit Geräte „ohne speziellen Übersetzer“ über ein Netzwerk miteinander kommunizieren können. Wochen- oder monatelange Aufbauten für Experimente könnten auf „Stunden oder Minuten“ schrumpfen.^[Ars Technica – Anthropic's new hardware standard lets AI agents control the physical world – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/anthropics-new-hardware-standard-lets-ai-agents-control-the-physical-world/]
Inspiriert wurde das Projekt von einem Neurowissenschaftler, der Laser, Mikroskope und Kameras in einem Experiment koordinierte. „Diese Idee könnte KI jedes wissenschaftliche Experiment der Welt durchführen lassen“, erinnert sich Anthropic-Mitarbeiter Alek Kemeny.^[Ars Technica – Anthropic's new hardware standard lets AI agents control the physical world – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/anthropics-new-hardware-standard-lets-ai-agents-control-the-physical-world/]
Erste Demonstrationen zeigen, wie ein Modell wie Claude einen Laser justiert, das Ergebnis per Kamera prüft und den Vorgang automatisch wiederholt – oder einen Roboterarm eine Aludose aufheben lässt, ohne dass der Arm zuvor dafür trainiert wurde. Ein standardisiertes Tagging-System beschreibt physikalische Grenzen wie Gewicht oder Reichweite, damit auch Modelle, die vor allem die virtuelle Welt kennen, Geräte sicher bedienen können.^[Ars Technica – Anthropic's new hardware standard lets AI agents control the physical world – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/anthropics-new-hardware-standard-lets-ai-agents-control-the-physical-world/]
Zu den Partnern der Vorschauphase gehören AWS, Hugging Face, Raspberry Pi und Universal Robots; später soll MHS als offener, „agenten-agnostischer“ Standard veröffentlicht werden. „Wenn man Hypothesen schneller testen kann, entstehen allgemeine Technologien schneller – so kann ein Jahrhundert Fortschritt in ein Jahrzehnt passen“, sagt Kemeny.^[Ars Technica – Anthropic's new hardware standard lets AI agents control the physical world – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/anthropics-new-hardware-standard-lets-ai-agents-control-the-physical-world/]
Videoklone für die Unternehmenskommunikation
Parallel erobert KI ein anderes Feld der realen Welt: die Kommunikation. Synthesia baut digitale Klone, mit denen Unternehmen Wissen vermitteln. Chef Victor Riparbelli diskutiert im Handelsblatt-Podcast „Disrupt“ über Videos als „Sprache der Zukunft“ – und warnt zugleich vor „KI-Müll“ und dem Rennen mit China.^[Handelsblatt – Disrupt: Warum sind Videos die Sprache der Zukunft, Victor Riparbelli? – url: https://www.handelsblatt.com/audio/disrupt-podcast/disrupt-warum-sind-videos-die-sprache-der-zukunft-victor-riparbelli/100250279.html]
Ob im Labor, im Lager oder im Videostudio: Die Anwendungen von KI reichen immer weiter über den Bildschirmrand hinaus – und stellen zugleich neue Fragen nach Sicherheit, Vertrauen und der Unterscheidbarkeit von Mensch und Maschine.