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Künstliche Intelligenz · Anthropic

Anthropics Vorzeigemodell Fable kämpft um Nutzer: Die günstige KI schlägt das teure Flaggschiff

Anthropics Umsatz wächst rasant – doch ausgerechnet sein teuerstes Modell Fable findet nur langsam Abnehmer. Branchenzahlen zeigen: OpenAI legt mit GPT 5.6 zu, und die Kunden setzen zunehmend auf günstigere Modelle.

deepdaive Team ·

Foto: Tara Winstead / Pexels
Foto: Tara Winstead / Pexels

Berlin, 23. August 2026 – Ausgerechnet das beste Modell von Anthropic hat ein Akzeptanzproblem: Claude Fable, im Juli veröffentlicht und als großer Wurf gefeiert, kämpft laut einem Bericht der Financial Times um Nutzer, während günstigere Alternativen boomen. Die Zahlen, die der KI-Experte Simon Willison aufgreift, zeichnen ein bemerkenswertes Bild vom Zustand der KI-Industrie.^[Simon Willison – Anthropic's best AI model struggles to attract users as cheaper tools thrive – url: https://simonwillison.net/2026/Aug/23/anthropics-best-ai-model-struggles-to-attract-users-as-cheaper-t/]

Rekordzahlen bei Anthropic und OpenAI

Die Geschäfte der beiden Branchenführer laufen glänzend: Anthropics annualisierter Umsatz kletterte im Juli auf 65 Milliarden Dollar – im Mai waren es noch 47 Milliarden. Das Unternehmen erwartet zudem, nach demselben Modell wie im zweiten Quartal auch im dritten Quartal profitabel zu sein, und verweist gegenüber Investoren auf 6.000 Kunden, die jährlich 100.000 Dollar oder mehr ausgeben. Auch OpenAI legt kräftig zu: Der annualisierte Umsatz stieg im laufenden Quartal um 35 Prozent und liegt nun bei über 40 Milliarden Dollar – beflügelt vom Start von GPT 5.6 im Juli, der das Unternehmen nach einem schwachen Jahresstart wieder in Schwung brachte.^[Simon Willison – Anthropic's best AI model struggles to attract users as cheaper tools thrive – url: https://simonwillison.net/2026/Aug/23/anthropics-best-ai-model-struggles-to-attract-users-as-cheaper-t/]

Fable: stark, aber teuer

Doch die Nutzung verteilt sich höchst ungleich. Daten des Ramp AI Index, der Abrechnungsdaten von 70.000 Unternehmen auswertet, zeigen für Juli, wie sich die Ausgaben für Anthropic-Modelle aufteilen: Das neue Flaggschiff Fable 5 kommt demnach nur auf 8,0 Prozent der Ausgaben – während das günstigere Opus 4.8 mit 28,0 Prozent klar führt, gefolgt von Sonnet 4.6 mit 8,3 Prozent. Opus 5, das ebenfalls erst am 24. Juli erschien, liegt bei 3,5 Prozent. Für Willison stützt das die These, dass vor allem die hohen Kosten von Fable es zu einem wenig genutzten Modell machen.^[Simon Willison – Anthropic's best AI model struggles to attract users as cheaper tools thrive – url: https://simonwillison.net/2026/Aug/23/anthropics-best-ai-model-struggles-to-attract-users-as-cheaper-t/]

Der Preis des Fortschritts

Dass diese Entwicklung kein Zufall ist, beschreibt der Technologie-Experte Drew Breunig: Vor Fable habe es sich albern angefühlt, viel Zeit in die Verbesserung der eigenen Werkzeuge zu stecken – ein neues Modell kam ohnehin bald zum gleichen oder günstigeren Preis und überdeckte die meisten Probleme. Dann sei Fable gekommen: „Es war und ist unglaublich", so Breunig – aber so teuer, dass Opus für die meisten Aufgaben „gut genug" war. Unternehmen beginnen deshalb, ihre Arbeit gezielt auf verschiedene Modelle zu verteilen.^[Simon Willison – Quoting Drew Breunig – url: https://simonwillison.net/2026/Aug/23/drew-breunig/]

Für Anthropic ist das einerseits ein Luxusproblem: Das Unternehmen wächst rasant und steuert auf Profitabilität zu. Andererseits zeigt der Trend, dass in der KI-Industrie nicht automatisch das beste Modell gewinnt, sondern das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob Fable seinen Preis rechtfertigen kann – oder ob sich die Konkurrenz mit günstigeren Modellen den Markt sichert.