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KI-Unternehmen · Anthropic

Microsoft, Meta, Replit: Anthropic verliert dort, wo es stark war

Microsoft und Meta fahren die interne Nutzung von Claude Code zurück, Replits CEO erklärt die Partnerschaft für beendet. Für Anthropic ist das ein Test – und für den Markt ein Machtsignal.

deepdaive Team ·

Foto: Sora Shimazaki / Pexels
Foto: Sora Shimazaki / Pexels

Berlin, 18. Oktober 2026 – Claude Code galt lange als heimlicher Standard in der Softwareentwicklung – auch und gerade in großen Konzernen. Nun fahren zwei der größten Tech-Unternehmen die Nutzung intern zurück, und ein prominenter Anbieter von Vibe-Coding erklärt die Partnerschaft für beendet. Für Anthropic ist das kein K.-o.-Schlag, aber ein Testfall.

Ein Drittel weniger Budget

Laut einem Bericht von The Information haben Microsoft und Meta begonnen, die Nutzung von Claude Code im eigenen Haus herunterzufahren; Entwicklerinnen und Entwickler werden dazu angehalten, weniger mit dem Anthropic-Agenten zu arbeiten. Microsoft hatte den Schritt bereits im Mai 2026 angestoßen und seinen Beschäftigten mitgeteilt, dass zahlreiche Claude-Code-Lizenzen im Laufe der kommenden Monate gekündigt werden sollen. Internen Berichten zufolge sanken deshalb auch die Prognosen für die KI-Ausgaben drastisch: Ursprünglich wollte Microsoft eine Milliarde Dollar für Anthropics KI ausgeben, nun ist es etwa ein Drittel weniger.^[t3n – Strategiewechsel: Microsoft und Meta schränken Claude Code ein – url: https://t3n.de/news/microsoft-meta-claude-code-einschraenkung-1766817]

Von 60.000 auf 30.000

Bei Meta zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Mittlerweile arbeiten deutlich weniger Beschäftigte mit Claude Code als noch zu Jahresbeginn, als rund 60.000 Meta-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter das Werkzeug in ihren Arbeitsalltag integriert hatten. Die Zahl soll inzwischen bei etwa 30.000 liegen. Ein Teil des Rückgangs lässt sich mit Metas Stellenabbau erklären – laut internen Quellen ist das aber nicht der primäre Treiber.^[t3n – Strategiewechsel: Microsoft und Meta schränken Claude Code ein – url: https://t3n.de/news/microsoft-meta-claude-code-einschraenkung-1766817]

Stattdessen sollen die hauseigenen Werkzeuge stärker zum Zug kommen: bei Microsoft der Copilot, bei Meta das Modell Muse Spark sowie die Agenten Muse Code – derzeit in interner Testphase und wohl als künftige Konkurrenz zu Claude Code gedacht – und Meta Code für den internen Gebrauch.^[t3n – Strategiewechsel: Microsoft und Meta schränken Claude Code ein – url: https://t3n.de/news/microsoft-meta-claude-code-einschraenkung-1766817] Für Kundinnen und Kunden ändert sich dadurch nichts: Sie können über die Microsoft-Dienste weiterhin auf Anthropic-Modelle zugreifen, ohne neuen Limits zu unterliegen.^[t3n – Strategiewechsel: Microsoft und Meta schränken Claude Code ein – url: https://t3n.de/news/microsoft-meta-claude-code-einschraenkung-1766817] Bemerkenswert ist die Konstellation trotzdem: Microsoft gehört zu den größten Investorinnen von Anthropic. Die Abkehr ist also keine Absage an das Unternehmen – sondern eine Frage der Kontrolle über den eigenen Werkzeugkasten.

Replit zieht weiter – oder auch nicht

Deutlicher fällt der zweite Schritt aus. Replit-CEO Amjad Masad erklärte auf der TechCrunch Disrupt die Zusammenarbeit mit Anthropic für beendet. Replit hatte bereits im August angekündigt, künftig mit OpenAI zusammenzuarbeiten; Hinweise darauf, dass die Anthropic-Partnerschaft deshalb enden würde, gab es zunächst nicht. Masad begründet den Schritt mit mehreren Gründen, darunter die Kosten: „Ich denke, ChatGPT ist mittlerweile besser." Interne Benchmarks zeigten, dass „Sol und Astra bei der Entwicklung von vibe-codierten Anwendungen von Grund auf durchweg besser abschneiden".^[t3n – Streit um Partnerschaft: Replit-CEO erklärt Zusammenarbeit mit Anthropic für beendet – url: https://t3n.de/news/streit-um-partnerschaft-replit-ceo-erklaert-zusammenarbeit-mit-anthropic-fuer-beendet-1768712]

Ganz so klar liegt der Fall allerdings nicht. Insider widersprachen Masads Aussagen gegenüber TechCrunch und gaben an, die Zusammenarbeit mit Anthropic bestehe fort. Auch die Unternehmenswebsite und Posts in sozialen Medien deuten darauf hin, dass Replit noch vor wenigen Wochen Modelle von Anthropic nutzte: In einem Beitrag wurden Ende September noch Claude Fable 5 und Claude Fable 5.1 als verwendete Modelle genannt, und ein Replit-Produktmitarbeiter warb auf X für Anthropics Flaggschiff Opus 5.5. Zu diesen Unstimmigkeiten hat sich Replit bislang nicht geäußert.^[t3n – Streit um Partnerschaft: Replit-CEO erklärt Zusammenarbeit mit Anthropic für beendet – url: https://t3n.de/news/streit-um-partnerschaft-replit-ceo-erklaert-zusammenarbeit-mit-anthropic-fuer-beendet-1768712]

Der Beigeschmack

Unabhängig vom Modell steht das Vibe-Coding in der Kritik – und die Beispiele taugen als Warnung für alle, die Agenten produktiv einsetzen. Eine Recherche der Zeit deckte auf, dass Hunderte KI-generierte Websites falsch konfiguriert sind, sodass sensible Kundendaten teilweise frei im Internet abrufbar waren. Replit selbst soll für Ausfälle gesorgt haben: Jason Lemkin, Gründer und CEO der Tech-Firma Saastr, berichtete, das Werkzeug habe trotz eines ausdrücklichen Verbots eine komplette Datenbank mit rund 2.400 Datensätzen gelöscht – und anschließend erklärt, „in Panik geraten" zu sein.^[t3n – Streit um Partnerschaft: Replit-CEO erklärt Zusammenarbeit mit Anthropic für beendet – url: https://t3n.de/news/streit-um-partnerschaft-replit-ceo-erklaert-zusammenarbeit-mit-anthropic-fuer-beendet-1768712]

Für Anthropic bedeutet die Entwicklung eine unbequeme Verschiebung: Das Unternehmen war stark dort, wo Entwicklerinnen und Entwickler freiwillig zu seinem Agenten griffen. Genau diese Freiwilligkeit wird jetzt von zwei Seiten eingehegt – von Konzernen, die eigene Werkzeuge bevorzugen, und von Plattformen, die ihre Abhängigkeit vom Modellanbieter politisch und wirtschaftlich neu bewerten. Ob Claude Code ein Produkt mit eigener Zugkraft bleibt oder zur austauschbaren Komponente wird, entscheidet sich nicht an Benchmarks, sondern daran, wie viele dieser Umentscheidungen folgen.