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KI-Unternehmen · Anthropic

Die Zwei-Billionen-Wette: Anthropic plant den größten Börsengang aller Zeiten

Anthropic will noch in diesem Jahr an die Börse – mit einem angepeilten Marktwert von zwei Billionen Dollar, mehr als je ein Unternehmen zuvor. Der Umsatz wächst rasant, doch operativ schreibt die Claude-Firma Milliardenverluste. Der KI-Boom hat zugleich vier ihrer Gründer zu Multimilliardären gemacht.

deepdaive Team ·

Foto: RDNE Stock project / Pexels
Foto: RDNE Stock project / Pexels

Berlin, 4. Oktober 2026 – Der nächste Megabörsengang des Jahres steht bevor. Noch in diesem Jahr will Anthropic, der Anbieter der KI Claude, an die Börse gehen – schon im November, nach den amerikanischen Kongresswahlen, könnte es so weit sein. Die Zahlen aus dem Börsenprospekt, die über die Nachrichtenagentur Reuters öffentlich wurden, haben es in sich.^[F.A.Z. – Börsengang: So wird Anthropic zwei Billionen wert – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/anthropic-boersengang-ist-eine-bewertung-von-2-bio-accg-201275707.html]

Ein Wert wie kein Unternehmen zuvor

Anthropic strebt einen Marktwert von zwei Billionen Dollar an – mehr als Elon Musks Weltraum- und KI-Firma SpaceX zum Zeitpunkt ihres Rekordbörsengangs im Juni. Es wäre der größte Börsengang aller Zeiten. Für das Unternehmen spricht ein rasantes Wachstum: Der Umsatz hat sich binnen eines Jahres verzwölffacht, auf 4,6 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025. Im Mai hatte Anthropic selbst eine „run rate" von mehr als 47 Milliarden Dollar verkündet, im Juli lag dieser Wert Medienberichten zufolge schon bei 65 Milliarden Dollar.^[F.A.Z. – Börsengang: So wird Anthropic zwei Billionen wert – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/anthropic-boersengang-ist-eine-bewertung-von-2-bio-accg-201275707.html]

Der Haken: 42 Milliarden Dollar Verlust

Andererseits schreibt Anthropic hohe Verluste: acht Milliarden Dollar aus dem operativen Geschäft im Geschäftsjahr 2025, insgesamt sogar 42 Milliarden Dollar – der Rest stammt aus buchhalterischen Neubewertungen. Für eine Zwei-Billionen-Bewertung müsste die Firma in absehbarer Zeit enorme Profite einfahren. In einer Rechnung der F.A.Z. müsste Anthropic 2031 rund 3,2 Billionen Dollar wert sein und 129 Milliarden Dollar Gewinn machen – ungefähr so viel, wie der Google-Mutterkonzern Alphabet im vergangenen Jahr erzielte.^[F.A.Z. – Börsengang: So wird Anthropic zwei Billionen wert – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/anthropic-boersengang-ist-eine-bewertung-von-2-bio-accg-201275707.html]

Erschwerend kommt der Preisdruck hinzu: Die Produkte vieler Anbieter sind austauschbar, Anthropics neues Modell Sonnet 5.5 soll bis zu 30 Prozent weniger kosten als der Vorgänger, und Konkurrent OpenAI senkte im September die Preise für zwei Modelle um die Hälfte. Der branchenweite Index für KI-Kosten der Analysefirma Silicon Data hat sich seit Mai halbiert. Anthropic warnt zudem, dass ein Viertel seiner Einnahmen von nur zwei Großkunden stammt, die nicht langfristig gebunden sind.^[F.A.Z. – Börsengang: So wird Anthropic zwei Billionen wert – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/anthropic-boersengang-ist-eine-bewertung-von-2-bio-accg-201275707.html]

Der Boom macht Milliardäre

Wie sehr der KI-Boom die Vermögen umverteilt, zeigt ein zweiter Blick in die USA. In den vergangenen zwölf Monaten haben die 400 reichsten Amerikaner zusammen 1,4 Billionen Dollar zugelegt; für einen Platz im Forbes 400 braucht es inzwischen mindestens 4,4 Milliarden Dollar. Sieben Neuzugänge sind jünger als 40 – und haben ihre Milliarden allesamt im KI-Bereich verdient. Vier von ihnen gründeten 2021 gemeinsam Anthropic: Daniela Amodei und Tom Brown (beide 39), Jack Clark (37) sowie Sam McCandlish (36) sollen je über ein Vermögen von 15,5 Milliarden Dollar verfügen.^[t3n – Forbes 400: Wie der KI-Boom gleich vier Anthropic-Gründer zu Multimilliardären machte – url: https://t3n.de/news/forbes-400-ki-boom-anthropic-1764683]

Zu den weiteren neuen KI-Milliardären zählen der Surge-AI-Gründer Edwin Chen (38) und der 30-jährige Cognition-Mitgründer Steven Hao, das jüngste Mitglied des Rankings. Auffällig: Nur einer der zehn jüngsten Überreichen hat sein Vermögen geerbt.^[t3n – Forbes 400: Wie der KI-Boom gleich vier Anthropic-Gründer zu Multimilliardären machte – url: https://t3n.de/news/forbes-400-ki-boom-anthropic-1764683]

Eine Wette auf die Infrastruktur

Die eigentliche Frage hinter der Zwei-Billionen-Bewertung ist weniger, was Anthropic tut, als ob die US-Wirtschaft das Wachstum der KI-Firmen weiter schultern kann. Das hängt am Ausbau der Rechenzentren: Ein Rechenzentrum mit 200 Megawatt Bedarf kommt laut dem Ökonomen Stijn Van Nieuwerburgh auf Fixkosten von 8,2 Milliarden Dollar; bis 2032 könnten mehr als 180 Gigawatt ans Netz gehen, mit Gesamtkosten von 10,3 Billionen Dollar. Anthropics Ausgaben für Infrastruktur und Rechenkapazität stiegen zuletzt auf 7,3 Milliarden Dollar – das 18-Fache von vor zwei Jahren –, und das Unternehmen hat bereits Investitionen von mehr als 500 Milliarden Dollar geplant.^[F.A.Z. – Börsengang: So wird Anthropic zwei Billionen wert – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/anthropic-boersengang-ist-eine-bewertung-von-2-bio-accg-201275707.html]

Ob sich diese Rechnung aufgeht, hängt an sehr realen Bremsen: von Anwohnerprotesten über gestiegene Chippreise bis zu knappen Gasturbinen für die Energieversorgung. Der Börsengang dürfte damit zur bislang größten Wette auf die KI-Infrastruktur werden – und die Anleger müssen entscheiden, ob sie sie eingehen.