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Billige Modelle, teures Kapital: Der Spagat der KI-Konzerne

xAI bringt Grok 4.7 zum Schnäppchenpreis – bleibt in den Benchmarks aber deutlich zurück. Zugleich borgt sich SoftBank über elf Milliarden Dollar am Kapitalmarkt, um sein OpenAI-Engagement zu bezahlen.

deepdaive Team ·

Foto: panumas nikhomkhai / Pexels
Foto: panumas nikhomkhai / Pexels

Berlin, 22. September 2026 – Die KI-Branche schlägt derzeit zwei Richtungen zugleich ein: Nach vorn beim Tempo der Modellveröffentlichungen, nach hinten auf der Kostenskala. Elon Musks Firma xAI bringt ihr bislang leistungsfähigstes Modell zum Kampfpreis auf den Markt, während der japanische Konzern SoftBank über elf Milliarden Dollar aufnimmt, um sein Engagement beim ChatGPT-Entwickler OpenAI weiterzufinanzieren.^[The Decoder – xAI launches Grok 4.7 at bargain prices, but benchmarks reveal a wide gap to Claude and GPT-6 – url: https://the-decoder.com/xai-launches-grok-4-7-at-bargain-prices-but-benchmarks-reveal-a-wide-gap-to-claude-and-gpt-6/]

Grok 4.7 zum Kampfpreis

Grok 4.7 ist laut xAI das bislang beste Modell des Unternehmens für Programmierung und Wissensarbeit. Es basiert auf einem größeren Grundmodell, wurde mit längerem Verstärkungslernen trainiert und soll seine eigene Ausgabe besser überprüfen können. Der Preis liegt bei zwei Dollar pro Million Eingabe-Token und sechs Dollar pro Million Ausgabe-Token – damit bewegt sich xAI eher auf dem Niveau chinesischer als westlicher Spitzenmodelle.^[The Decoder – xAI launches Grok 4.7 at bargain prices, but benchmarks reveal a wide gap to Claude and GPT-6 – url: https://the-decoder.com/xai-launches-grok-4-7-at-bargain-prices-but-benchmarks-reveal-a-wide-gap-to-claude-and-gpt-6/]

Der günstige Preis hat allerdings einen Grund. Im unabhängigen „Artificial Analysis Intelligence Index" (Version 4.3.2), der zehn Benchmarks bündelt, kommt Grok 4.7 auf 46 Punkte und landet damit im Mittelfeld. Claude Fable 5.1 und GPT-6 führen mit jeweils 53 Punkten.^[The Decoder – xAI launches Grok 4.7 at bargain prices, but benchmarks reveal a wide gap to Claude and GPT-6 – url: https://the-decoder.com/xai-launches-grok-4-7-at-bargain-prices-but-benchmarks-reveal-a-wide-gap-to-claude-and-gpt-6/]

Noch deutlicher wird die Lücke beim agentischen Programmieren: Auf dem Test „Terminal-Bench 4.0" erreicht Grok 4.7 nur 26 Prozent – gegenüber 60 Prozent für GPT-6 Astra und 55 Prozent für Claude Fable 5.1. Selbst das günstigere chinesische DeepSeek V4.1 Flash zieht mit 27 Prozent vorbei. Verfügbar ist das Modell über die Grok-API, Cursor und Grok Build.^[The Decoder – xAI launches Grok 4.7 at bargain prices, but benchmarks reveal a wide gap to Claude and GPT-6 – url: https://the-decoder.com/xai-launches-grok-4-7-at-bargain-prices-but-benchmarks-reveal-a-wide-gap-to-claude-and-gpt-6/]

Riskante Milliarden für OpenAI

Während die Modelle billiger werden, wächst auf der Finanzierungsseite der Druck. SoftBank will nach Angaben der „Financial Times", die sich auf Investorendokumente beruft, mehr als elf Milliarden Dollar über sogenannte Junk Bonds aufnehmen – also über Hochzinsanleihen, die hohe Zinsen zahlen, aber ein größeres Risiko bergen, dass Anleger ihr Geld nicht wiedersehen. Geplant sind Anleihen im Volumen von zehn Milliarden Dollar und einer Milliarde Euro; die Konditionen sollen am Donnerstag festgelegt werden, die Zahlung an OpenAI ist im Oktober fällig.^[The Decoder – SoftBank to borrow over $11 billion in risky bonds for OpenAI stake – url: https://the-decoder.com/softbank-to-borrow-over-11-billion-in-risky-bonds-for-openai-stake/]

Bemerkenswert ist der Kontrast: Die meisten anderen großen Tech-Konzerne haben zuletzt auf sicherere Anleihen gesetzt. SoftBank dagegen hatte bereits kurzfristige Kredite von bis zu 40 Milliarden Dollar für OpenAI aufgenommen und will diese nun in längerfristige Schulden umwandeln – ein Schritt, der den Konzern zeitweise über seine eigene Schuldenobergrenze hinausdrücken könnte. Dass die Risikobereitschaft groß ist, liegt auch am Kapitalbedarf des KI-Labors: OpenAI dürfte laut „Financial Times" bis Ende 2030 nahezu 280 Milliarden Dollar an Barmitteln verbrennen. Zugleich baut SoftBanks Rechenzentrumsgeschäft auf seinen OpenAI-Verträgen für künftige Erlöse auf.^[The Decoder – SoftBank to borrow over $11 billion in risky bonds for OpenAI stake – url: https://the-decoder.com/softbank-to-borrow-over-11-billion-in-risky-bonds-for-openai-stake/]

Der Markt sucht Orientierung

An der Börse ist die Stimmung trotz dieser Gemengelage gemischt. Für den US-Tech-Sektor ging es zum Wochenstart bergauf – getragen auch von der Hoffnung auf sinkende Energiepreise, die die Kosten der Rechenzentren drücken könnten. Ob die KI-Werte nach dem jüngsten Auf und Ab wieder an Fahrt gewinnen, hängt damit auch an den Energiekosten.^[Handelsblatt – Handelsblatt Live: Wall-Street-Experte Koch: Warum KI-Werte jetzt wieder an Fahrt gewinnen könnten – url: https://www.handelsblatt.com/video/finanzen/handelsblatt-live-wall-street-experte-koch-warum-ki-werte-jetzt-wieder-an-fahrt-gewinnen-koennten/100256301.html]

Der Befund lässt sich zuspitzen: Die Technologie wird schnell billiger, das Kapital, das sie verschlingt, aber nicht. Wer im KI-Geschäft bestehen will, muss zwei Bilanzen zugleich lesen – die der Modellleistung und die der Finanzierung. Genau daraus entsteht die Spannung, die den Sektor derzeit antreibt.

Zwei Geschwindigkeiten

Grok 4.7 zeigt, wie austauschbar Spitzenleistung zu werden droht: Wer nicht ganz oben mitspielt, konkurriert über den Preis. SoftBanks Anleihen zeigen, dass die Rechnung dafür noch nicht aufgeht – noch jedenfalls. Ob der Spagat aus immer günstigeren Modellen und immer teurerem Kapital dauerhaft trägt, dürfte die zentrale Frage der kommenden Quartale werden.^[The Decoder – xAI launches Grok 4.7 at bargain prices, but benchmarks reveal a wide gap to Claude and GPT-6 – url: https://the-decoder.com/xai-launches-grok-4-7-at-bargain-prices-but-benchmarks-reveal-a-wide-gap-to-claude-and-gpt-6/]