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Nvidia zwischen Konkurrenz und Expansion: Microsofts eigene KI-Chips und ein Einstieg im Gesundheitswesen

Microsoft stellt die dritte Generation seiner Maia-Chips vor und will damit unabhängiger von Nvidia werden. Derweil kauft sich Nvidia bei der Ärzteplattform Doctolib ein – ein Zeichen, wie sehr der Chipgigant seine Macht absichern will.

deepdaive Team ·

Foto: Ivan Chumak / Pexels
Foto: Ivan Chumak / Pexels

Berlin, 14. Oktober 2026 – Nvidia ist der unangefochtene Herrscher über den Markt für KI-Chips. Doch ausgerechnet seine größten Kunden werden zu seinen schärfsten Konkurrenten – und das Unternehmen weitet zugleich sein eigenes Geschäft weiter aus.

„Unsere bislang größte Wette“

Zu Nvidias wichtigsten Kunden zählen die großen Cloud-Konzerne Google, Amazon und Microsoft, die eigene Rechenzentren betreiben. Diese sogenannten Hyperscaler stehen für mehr als die Hälfte von Nvidias Umsatz mit KI-Chips. Genau diese Konzerne versuchen aber, ihre Abhängigkeit zu verringern, indem sie eigene Chips entwickeln – teils für den Eigenbedarf, zunehmend aber auch, um ein neues Geschäft zu erschließen.^[F.A.Z. – KI-chips: Microsoft will weniger abhängig von Nvidia werden – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/microsoft-stellt-neue-maia-chips-vor-nvidia-unter-druck-201313922.html]

Die jüngste Offensive kommt von Microsoft: Der Softwarekonzern hat die dritte Generation seiner Chipreihe Maia vorgestellt. Vom kommenden Jahr an soll Maia das primäre Chipsystem für den Betrieb hauseigener KI-Angebote sein – gemeint ist die sogenannte Inferenz, also die Anwendung von KI-Modellen, nicht deren Entwicklung. Vorstandschef Satya Nadella nannte die neue Generation auf der Plattform X „unsere bislang größte Wette“ auf eigene Chips; die aktuell zweite Generation Maia 200 betreibt bereits Produkte wie Copilot und Modelle des Partners OpenAI.^[F.A.Z. – KI-chips: Microsoft will weniger abhängig von Nvidia werden – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/microsoft-stellt-neue-maia-chips-vor-nvidia-unter-druck-201313922.html]

Milliardengeschäft mit eigenen Chips

Gegenüber anderen Hyperscalern hat Microsoft mit seinen Chip-Initiativen noch Rückstand. Google und Amazon haben früher begonnen. Googles KI-Chips sind als „Tensor Processing Units“ (TPUs) bekannt; die ersten Versionen kamen bereits 2015. In diesem Jahr startete Google erstmals den direkten Verkauf – im zweiten Quartal wurden die ersten TPU-Umsätze verbucht, die im nächsten Jahr laut Unternehmen deutlich steigen sollen. Amazon wiederum setzt seine KI-Chips in der Cloud-Sparte AWS ein, wo Kunden zwischen Nvidia- und Amazon-Chips wählen können. Konzernchef Andy Jassy schrieb im Frühjahr, würde Amazon seine heuer produzierten Chips an AWS und externe Kunden verkaufen, entspräche das einem Umsatz von 50 Milliarden Dollar.^[F.A.Z. – KI-chips: Microsoft will weniger abhängig von Nvidia werden – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/microsoft-stellt-neue-maia-chips-vor-nvidia-unter-druck-201313922.html]

Neben den Hyperscalern drängen traditionelle Chipanbieter wie AMD, Start-ups – und OpenAI, das mit Broadcom ein eigenes KI-Chipsystem entwickelte. Gebremst hat der Wettbewerb Nvidia bislang aber nicht: Im jüngsten Geschäftsquartal hat das Unternehmen seinen Umsatz auf 96,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Und Microsoft arbeitet weiter eng mit Nvidia zusammen, etwa bei einer neuen Laptop-Reihe mit Nvidia-Chipsystem.^[F.A.Z. – KI-chips: Microsoft will weniger abhängig von Nvidia werden – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/microsoft-stellt-neue-maia-chips-vor-nvidia-unter-druck-201313922.html]

Nvidia kauft sich ins Gesundheitssystem ein

Während seine Kunden eigene Chips bauen, weitet Nvidia selbst sein Ökosystem aus. Der US-Konzern steigt als Minderheitsaktionär bei der französischen Ärzteplattform Doctolib ein. „Diese Investition wird es uns ermöglichen, schneller KI-Talente zu gewinnen und unsere Entwicklung voranzutreiben“, betonte Doctolib-Chef Stanislas Niox-Chateau. Wie viele Anteile Nvidia übernimmt, blieb zunächst offen.^[Handelsblatt – Chiphersteller: Nvidia steigt bei Ärzteplattform Doctolib ein – url: https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/chiphersteller-nvidia-steigt-bei-aerzteplattform-doctolib-ein/100261997.html]

Doctolib ist in Deutschland vor allem für die Online-Terminbuchung bei Arztpraxen bekannt. Ein weiteres Kernprodukt ist ein KI-Telefonassistent, mit dem Praxen ihre Termine auch telefonisch organisieren; hinzu kommen Lösungen für administrative und buchhalterische Aufgaben. Das Unternehmen setzt dabei auf bestehende Sprachmodelle auf und erhofft sich durch Nvidia Zugang zu dessen KI-Experten sowie Unterstützung beim Training eigener Modelle.^[Handelsblatt – Chiphersteller: Nvidia steigt bei Ärzteplattform Doctolib ein – url: https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/chiphersteller-nvidia-steigt-bei-aerzteplattform-doctolib-ein/100261997.html]

Beide Bewegungen zeigen dasselbe Muster: Der Chipmarkt wird nicht mehr allein über Hardware entschieden, sondern über Ökosysteme. Während Microsoft, Google und Amazon Nvidia beim Silizium Konkurrenz machen, sichert sich Nvidia über Beteiligungen Zugriff auf Anwendungen und Talente – ein Wettlauf, der die Abhängigkeiten der Branche auf neue Weise verschiebt.