deepdaive Blog

KI-Unternehmen · Nvidia

Nvidia verschenkt ein Sprecher-Modell, ein Star-Investor setzt auf Anthropic statt OpenAI

Nvidia stellt ein kostenloses KI-Modell bereit, das bis zu acht Sprecher in Echtzeit unterscheidet. Zugleich erklärt der schottische Investor Tom Slater, warum 500 Millionen Pfund seines Fonds in Anthropic statt in OpenAI stecken – während Anthropic-Veteranen vorsorglich Land im Hinterland kaufen.

deepdaive Team ·

Foto: Alesia Kozik / Pexels
Foto: Alesia Kozik / Pexels

Berlin, 28. September 2026 – Zwei Signale aus der KI-Wirtschaft zeigen, worauf die Branche setzt: Auf der einen Seite verschenkt Chipkonzern Nvidia ein Modell, das Gespräche in Echtzeit versteht; auf der anderen Seite erklärt einer der erfolgreichsten Tech-Investoren Europas, warum er lieber auf Anthropic als auf OpenAI wettet.

Ein Modell, das zuhört – und zwar kostenlos

Nvidia hat mit „Nemotron 3 Diarization“ ein KI-Modell veröffentlicht, das erkennt, welche Person in einem Gespräch gerade spricht.^[The Decoder – Nvidia drops a free 100M-parameter model that identifies up to eight speakers in real time – url: https://the-decoder.com/nvidia-drops-a-free-100m-parameter-model-that-identifies-up-to-eight-speakers-in-real-time/] Das Modell hat rund 100 Millionen Parameter, seine Gewichte sind frei verfügbar. Es kann bis zu acht Sprecher auseinanderhalten und auch erkennen, wenn mehrere Personen gleichzeitig reden. Mehr Teilnehmende, starke Hintergrundgeräusche oder Hall erhöhen allerdings die Fehlerquote. Kombiniert mit einem Spracherkennungssystem wie Parakeet erzeugt es Transkripte mit Sprecher-Labels – wenn auch nur anonymen wie „speaker_2“. Es funktioniert sowohl mit Aufnahmen als auch mit Live-Audio.^[The Decoder – Nvidia drops a free 100M-parameter model that identifies up to eight speakers in real time – url: https://the-decoder.com/nvidia-drops-a-free-100m-parameter-model-that-identifies-up-to-eight-speakers-in-real-time/]

Im VoiceArena-Diarization-Benchmark v1 liegt das frei verfügbare Nemotron 3 mit einer Fehlerrate (DER) von 14,7 Prozent an der Spitze und übertrifft den Vorgänger Streaming Sortformer um 41 Prozent. Der Audiopuffer lässt sich in vier Stufen zwischen 30,4 und 0,32 Sekunden einstellen; kürzere Puffer senken in der Regel die Genauigkeit. Im Diarization-Bench von VoiceArena belegt das Modell mit 14,72 Prozent Fehlerquote Platz eins – vor dem nächstbesten System mit 19,3 Prozent.^[The Decoder – Nvidia drops a free 100M-parameter model that identifies up to eight speakers in real time – url: https://the-decoder.com/nvidia-drops-a-free-100m-parameter-model-that-identifies-up-to-eight-speakers-in-real-time/]

„Warum er auf Anthropic statt OpenAI setzt“

Während Nvidia auf offene Modelle setzt, verrät der Mathematiker Tom Slater, 48, seit dem Jahr 2000 für die schottische Fondsgesellschaft Baillie Gifford tätig, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, worauf er sein Geld setzt. Rund 500 Millionen Pfund seines Fonds stecken in Anthropic, einem der führenden KI-Unternehmen; Baillie Gifford verwaltet umgerechnet rund 230 Milliarden Euro. Slater hat nach eigener Darstellung SpaceX, Anthropic und Nvidia früh entdeckt und beschreibt im Gespräch, was er an Elon Musk schätzt. Die F.A.Z. veröffentlicht das Interview unter der Überschrift „Dieser Tech-Investor verrät, warum er auf Anthropic statt Open AI setzt“.^[F.A.Z. – Interview mit Tom Slater: Dieser Tech-Investor verrät, warum er auf Anthropic statt Open AI setzt – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/spacex-boersengang-tom-slater-ueber-seinen-mega-gewinn-201252530.html]

Die Pointe steckt schon im Titel: Während viele Anleger auf den Branchenprimus OpenAI schauen, hat sich Slater für den kleineren Rivalen entschieden – jenes Unternehmen, das sich selbst als besonders sicherheitsorientiert positioniert und die Frage nach den Risiken der Technik offensiv aufgreift.^[F.A.Z. – Interview mit Tom Slater: Dieser Tech-Investor verrät, warum er auf Anthropic statt Open AI setzt – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/spacex-boersengang-tom-slater-ueber-seinen-mega-gewinn-201252530.html]

Die Kehrseite der Sicherheits-Wette

Doch genau bei diesem sicherheitsorientierten Unternehmen regt sich Unruhe. Wie das Wall Street Journal berichtet, erwägen einige der dienstältesten Beschäftigten, in abgelegenen Regionen der USA Land zu kaufen, um dorthin ziehen zu können, falls „die KI aus dem Ruder läuft“.^[The Decoder – Some Anthropic veterans are reportedly buying remote land in case "AI goes awry" – url: https://the-decoder.com/some-anthropic-veterans-are-reportedly-buying-remote-land-in-case-ai-goes-awry/]

Schon in den Anfangsjahren sei bei Firmentreffen über ein Szenario nach Art des Manhattan-Projekts gesprochen worden – die Vorstellung, in die Wüste ziehen zu müssen, um KI in einer elektromagnetisch abgeschirmten Regierungsanlage weiterzubauen. Der Bericht zeichnet die engen Verbindungen der ersten Angestellten von Anthropic und OpenAI zur „Effective Altruism“-Bewegung und zu einem Netzwerk von „Doomern“ in der Bay Area nach, die seit mehr als einem Jahrzehnt Weltuntergangsszenarien durchspielen; als intellektueller Übervater gilt Eliezer Yudkowsky.^[The Decoder – Some Anthropic veterans are reportedly buying remote land in case "AI goes awry" – url: https://the-decoder.com/some-anthropic-veterans-are-reportedly-buying-remote-land-in-case-ai-goes-awry/]

Die beiden Signale lassen sich kaum auflösen: Wer auf offene, frei verfügbare Modelle setzt, treibt die Verbreitung der Technik voran. Wer auf das sicherheitsbewusste Labor wettet, muss zugleich hinnehmen, dass selbst dessen eigene Leute für den Ernstfall vorsorgen.