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OpenAIs eigener Chip »Jalapeño« – und warum Speicher knapp bleibt
OpenAI will mit einem eigenen KI-Chip die Abhängigkeit von Nvidia verringern. Gleichzeitig macht der Speicherhersteller Micron klar, dass die RAM-Krise noch Jahre dauern könnte.
Berlin, 11. Oktober 2026 – Die KI-Branche streitet über die Frage, ob ihre Milliardeninvestitionen eine Blase sind. Zwei Nachrichten aus dieser Woche zeigen jedoch, wie tiefgreifend der Wettlauf um Rechenleistung ist: OpenAI baut nun einen eigenen KI-Chip, und der Speichermarkt bleibt auf Jahre angespannt.^[Handelsblatt – Insight Innovation: OpenAI will mit eigenem Chip raus aus der Abhängigkeit von Nvidia – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/ki-openai-will-mit-eigenem-chip-raus-aus-der-abhaengigkeit-von-nvidia/100257124.html ;; t3n – Selbst wenn die KI-Blase platzt: Warum Speicherchips auf Jahre Mangelware bleiben – url: https://t3n.de/news/ram-krise-kein-ende-in-sicht-1766265]
»Jalapeño« soll die Rechnung drücken
Der Name klingt nach einem Scherz – und ist einer: Der erste eigene KI-Chip von OpenAI heißt „Jalapeño“, weil sich das Entwicklerteam selbst „Hot Peppers“ nennt. „Wir sind Ingenieure und nehmen uns selbst nicht so ernst“, sagt Chip-Chef Richard Ho. Hinter der launigen Bezeichnung steckt hartes Kalkül: OpenAI will die Kosten senken und die Abhängigkeit vom wichtigsten Lieferanten Nvidia verringern. Gelingt das, würde das hochdefizitäre Unternehmen deutlich wettbewerbsfähiger.^[Handelsblatt – Insight Innovation: OpenAI will mit eigenem Chip raus aus der Abhängigkeit von Nvidia – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/ki-openai-will-mit-eigenem-chip-raus-aus-der-abhaengigkeit-von-nvidia/100257124.html]
Die Rechnung ist einfach: Jeder Satz, den ChatGPT schreibt, muss bislang von Grund auf neu berechnet werden – das kostet Milliarden. Ein maßgeschneiderter Chip verspricht, dieselbe Arbeit günstiger zu erledigen. Branchenexperte Martin Geißler von der Beratungsgesellschaft Argon & Co hält „Jalapeño“ gar für „den ersten echten Angriff auf die Dominanz von Nvidia“.^[Handelsblatt – Insight Innovation: OpenAI will mit eigenem Chip raus aus der Abhängigkeit von Nvidia – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/ki-openai-will-mit-eigenem-chip-raus-aus-der-abhaengigkeit-von-nvidia/100257124.html]
Ganz ohne den Platzhirsch wird es dennoch nicht gehen: Unverzichtbar bleibt Nvidia nach Einschätzung der Branche weiterhin. Der eigene Chip ist also kein Ersatz, sondern ein Hebel in den Verhandlungen – und ein Signal, dass die größten KI-Firmen beginnen, ihre Hardware selbst in die Hand zu nehmen.^[Handelsblatt – Insight Innovation: OpenAI will mit eigenem Chip raus aus der Abhängigkeit von Nvidia – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/ki-openai-will-mit-eigenem-chip-raus-aus-der-abhaengigkeit-von-nvidia/100257124.html]
Der Speicher wird zum Nadelöhr
Selbst wenn OpenAI bei den Rechenchips unabhängiger würde: Bei einer anderen Schlüsselkomponente bleibt die Lage angespannt. Der Speicherhersteller Micron hat in seinem jüngsten Quartalsbericht keine Hoffnung auf eine schnelle Entspannung gemacht. „So stark das Fiskaljahr 2026 auch war, wir erwarten, dass 2027 noch besser wird“, zitiert t3n CEO Sanjay Mehrotra. Die Nachfrage der Industrie sei seit dem letzten Bericht gestiegen, und die Bedingungen für die RAM- und Speicherversorgung dürften 2027 und 2028 noch knapper werden als 2026.^[t3n – Selbst wenn die KI-Blase platzt: Warum Speicherchips auf Jahre Mangelware bleiben – url: https://t3n.de/news/ram-krise-kein-ende-in-sicht-1766265]
Noch deutlicher: Selbst mit Plänen für zusätzliche DRAM-Produktionskapazität habe man „keinerlei Idee“, wann Angebot und Nachfrage wieder in Balance geraten. Für PC-Komponenten wie Arbeitsspeicher bedeutet das weiter steigende Preise – und für manche Hersteller könnte die RAM-Krise sogar existenzbedrohend werden, wenn sie die gestiegenen Kosten nicht an ihre Kundschaft weitergeben können.^[t3n – Selbst wenn die KI-Blase platzt: Warum Speicherchips auf Jahre Mangelware bleiben – url: https://t3n.de/news/ram-krise-kein-ende-in-sicht-1766265]
Der Grund liegt in der Natur der KI: „KI-Anwendungen, egal ob Open-Source- oder Closed-Source-Modelle, laufen auf einer Vielzahl von Kundenplattformen“, sagt Mehrotra. Deren Nutzerversprechen werde durch Leistung und Kapazität von Speicher und RAM verstärkt. Selbst ein Platzen der KI-Blase würde den Markt kaum entlasten, denn Micron setzt dann auf „physische KI“ – autonome Fahrzeuge und Roboter, die bis zum Ende des Jahrzehnts zum bedeutenden Nachfrage-Treiber werden sollen.^[t3n – Selbst wenn die KI-Blase platzt: Warum Speicherchips auf Jahre Mangelware bleiben – url: https://t3n.de/news/ram-krise-kein-ende-in-sicht-1766265]
Zwei Antworten auf dieselbe Frage
Beide Nachrichten erzählen dieselbe Geschichte aus zwei Richtungen: Die Branche investiert weiter enorm in die Grundlagen – und versucht zugleich, sich von einzelnen Lieferanten unabhängiger zu machen. Der eigene Chip ist der Versuch, die Kosten- und Abhängigkeitsfrage selbst zu lösen. Beim Speicher aber bleibt die Macht bei wenigen Herstellern, und ihre Prognose lautet: Knappheit statt Entspannung.
Für Anleger und Anwender heißt das, die Entwicklung genau zu trennen: Die Diskussion über eine KI-Blase dreht sich um Bewertungen und Erträge. Die Realität der Chips und Speicher dagegen ist bis auf Weiteres von Knappheit geprägt – unabhängig davon, wie die Kurse schwanken.