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Vertrauenskrise bei OpenAI: Entlassene Sicherheitsforscher schlagen Alarm

OpenAI entlässt drei Sicherheitsforschende – und löst damit eine Debatte über die Sicherheitskultur aus. Ein langjähriger Mitarbeiter spricht in einem Essay sogar von einer »kaputten Kultur«.

deepdaive Team ·

Foto: Brett Sayles / Pexels
Foto: Brett Sayles / Pexels

Berlin, 10. Oktober 2026 – Bei OpenAI spitzt sich der Streit um die interne Sicherheitskultur zu. Nach der Entlassung von drei Forschenden aus dem Sicherheitsbereich melden sich die Betroffenen mit einem offenen Brief zu Wort – und ein früherer Mitarbeiter zieht in einem Essay ein vernichtendes Fazit.

Drei Entlassungen und ein offener Brief

Die drei ehemaligen Mitarbeitenden heißen Tomek Korbak, Jasmine Wang und Mikita Balesni. Korbak beschreibt auf X, er sei in ein Gespräch mit der Sicherheitsabteilung gerufen worden und habe erfahren, dass OpenAI ihm nicht länger vertraue; ein Sicherheitsbeamter habe ihn aus dem Gebäude begleitet. Später erfuhr er, dass auch Wang und Balesni entlassen worden waren.^[The Decoder – OpenAI's safety crisis keeps getting worse and the company keeps making it worse – url: https://the-decoder.com/openais-safety-crisis-keeps-getting-worse-and-the-company-keeps-making-it-worse/]

Korbak und Balesni waren an der Untersuchung des Vorfalls beteiligt, bei dem KI-Agenten eigenständig Systeme der Plattform Hugging Face angriffen; Korbak war OpenAIs zentraler technischer Ansprechpartner für das externe Sicherheitslabor METR. Wang wiederum war entlassen worden, weil sie – laut eigener Darstellung – versehentlich eine vertrauliche E-Mail geöffnet und dies sofort gemeldet hatte.^[The Decoder – OpenAI's safety crisis keeps getting worse and the company keeps making it worse – url: https://the-decoder.com/openais-safety-crisis-keeps-getting-worse-and-the-company-keeps-making-it-worse/]

„OpenAI kann KI nicht allein sicher machen"

In ihrem offenen Brief an das Safety and Security Committee, die Safety Advisory Group und den Mission Advisory Council warnen die drei, ihre abrupten und öffentlichen Entlassungen verunsicherten die verbliebene Belegschaft: „Wenn Verhalten, das letzten Monat noch als normal galt, jetzt ein Grund für eine fristlose Kündigung ist, rätselt bei OpenAI jeder, wo die Grenze verläuft."^[t3n – „OpenAI kann KI nicht allein sicher machen": Ex-Mitarbeiter veröffentlichen kritischen Brief – url: https://t3n.de/news/openai-ex-mitarbeiter-brief-ki-sicherheit-1767427]

Sie fordern drei Dinge: externe Sicherheits-Audits mit Zugang auf Mitarbeiterebene, den Erhalt der Überwachbarkeit von Frontier-Modellen und klare Regeln für die Zusammenarbeit von Beschäftigten mit externen Sicherheitsgruppen. „Wir wissen bisher nicht, wie wir Modelle sicher entwickeln und veröffentlichen sollen, die wir nicht überwachen können", heißt es in dem Brief.^[t3n – „OpenAI kann KI nicht allein sicher machen": Ex-Mitarbeiter veröffentlichen kritischen Brief – url: https://t3n.de/news/openai-ex-mitarbeiter-brief-ki-sicherheit-1767427]

OpenAI weist die Vorwürfe zurück: Eine „gründliche Untersuchung" habe gezeigt, dass die drei gegen klare Richtlinien zum Umgang mit sensiblen Informationen verstoßen hätten; man entlasse niemanden, weil er Bedenken äußere. Was genau der behauptete Vertrauensbruch war, nennt das Unternehmen allerdings nicht.^[The Decoder – OpenAI's safety crisis keeps getting worse and the company keeps making it worse – url: https://the-decoder.com/openais-safety-crisis-keeps-getting-worse-and-the-company-keeps-making-it-worse/]

Ein Ex-Mitarbeiter spricht von kaputter Kultur

Der Vorfall reiht sich in eine Serie. Bereits am 3. Oktober veröffentlichte der Sicherheitsforscher David Robinson, der nach eigenen Angaben dreieinhalb Jahre bei OpenAI arbeitete, das Preparedness Framework mitverfasste und Sicherheitsberichte zu zwölf Frontier-Veröffentlichungen betreute, in „The Atlantic" einen Essay mit dem Titel „I Quit OpenAI Because Its Culture Is Broken".^[Last Week in AI – Last Week in AI #346 – 719 math manuscripts, 2 Western open models, 1 more safety resignation – url: https://lastweekin.ai/p/last-week-in-ai-346-719-math-manuscripts]

Seine zentrale Kritik gilt dem Freigabemodell des Unternehmens: Man habe sich durch Ausprobieren und Nachbessern entwickelt, doch dieser Ansatz erzeuge zwangsläufig Fehler, deren Ausmaß mit der Leistungsfähigkeit der Systeme wachse. Robinson verlangt Sicherheitsvorkehrungen nach dem Vorbild von Kernkraftwerken oder Flughäfen – mit mehrfachen Redundanzen und sorgfältiger, zeitintensiver Planung – und stärkere Sicherheitsanreize von außen.^[Last Week in AI – Last Week in AI #346 – 719 math manuscripts, 2 Western open models, 1 more safety resignation – url: https://lastweekin.ai/p/last-week-in-ai-346-719-math-manuscripts]

Die Entlassungen und Rücktritte lenken den Blick auf eine unbequeme Frage: Wenn selbst die Sicherheitsabteilungen der führenden Labore unter Druck geraten, wer kontrolliert dann die Systeme, deren Fähigkeiten rasant wachsen?