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KI-Unternehmen · MiniMax

Bodenlose Preise, Billionenbewertungen: Chinas KI-Kampf und der Drang an die Börse

MiniMax und Deepseek unterbieten sich im Wochentakt, ein chinesischer Videogenerator zieht gleich – und gleichzeitig will Anthropic mit einer Bewertung von über einer Billion Dollar an die Börse. Das Geschäft mit KI driftet in zwei Richtungen.

deepdaive Team ·

Foto: Alesia Kozik / Pexels
Foto: Alesia Kozik / Pexels

Berlin, 20. Oktober 2026 – Auf der einen Seite steht ein Modell, das für 22 Cent pro Aufgabe rechnet. Auf der anderen Seite ein Unternehmen, das mit mehr als einer Billion Dollar bewertet an die Börse gehen will. Beide Nachrichten fallen in dieselben Stunden – und sie beschreiben zwei Realitäten derselben Branche.

Der Preiskampf hat keinen Boden mehr

MiniMax hat mit M3.1 Flash ein neues Reasoning-Modell veröffentlicht, das im Artificial Analysis Intelligence Index auf 42 Punkte kommt – 13 Punkte mehr als der Vorgänger M3, bei weniger als der Hälfte der Kosten pro Aufgabe. Damit liegt es gleichauf mit GLM-5.3-Flash, knapp vor Gemini 3.8 Flash (41) und hinter Deepseek V4.1 Flash 1017 (45).^[The Decoder – MiniMax M3.1 Flash shows China's AI price race has no floor in sight – url: https://the-decoder.com/minimax-m3-1-flash-shows-chinas-ai-price-race-has-no-floor-in-sight/] Den größten Sprung machte das komplexe Schlussfolgern: 48 Prozent auf „Humanity's Last Exam" – mehr als bei Deepseek und GLM.^[The Decoder – MiniMax M3.1 Flash shows China's AI price race has no floor in sight – url: https://the-decoder.com/minimax-m3-1-flash-shows-chinas-ai-price-race-has-no-floor-in-sight/]

Der eigentliche Befund steckt aber in der Rechnung dahinter. Weil das Modell deutlich weniger Ausgabe-Token produziert, sinken die Kosten pro Aufgabe auf etwa 0,22 Dollar; Deepseek kommt auf 0,26 Dollar – bei 189 gegenüber 224 Millionen generierten Tokens im Benchmark.^[The Decoder – MiniMax M3.1 Flash shows China's AI price race has no floor in sight – url: https://the-decoder.com/minimax-m3-1-flash-shows-chinas-ai-price-race-has-no-floor-in-sight/] Die API kostet 0,15 Dollar pro Million Input- und 0,60 Dollar pro Million Output-Token, zwischengespeicherte Eingaben 0,015 Dollar. Das Modell verarbeitet bis zu eine Million Token Kontext, versteht Text und Bilder und soll am 23. Oktober als offene Gewichte erscheinen – Deepseek liegt bereits auf Hugging Face.^[The Decoder – MiniMax M3.1 Flash shows China's AI price race has no floor in sight – url: https://the-decoder.com/minimax-m3-1-flash-shows-chinas-ai-price-race-has-no-floor-in-sight/]

Einen Haken nennt Artificial Analysis ausdrücklich: Die Halluzinationsrate liegt bei 93 Prozent, weil das Modell jede Testfrage beantworten will, statt bei Unsicherheit zu passen.^[The Decoder – MiniMax M3.1 Flash shows China's AI price race has no floor in sight – url: https://the-decoder.com/minimax-m3-1-flash-shows-chinas-ai-price-race-has-no-floor-in-sight/] Billiger zu rechnen heißt eben nicht, dass die Antwort stimmt.

Auch das Video wird zum Massenmarkt

Dass der Preisverfall nicht auf Textmodelle beschränkt ist, zeigt der Blick auf die Videogeneratoren. Kling AI hat Version 4.0 veröffentlicht: bis zu 30 Sekunden Video in einem Durchgang, bis zu zehn Keyframe-Bilder als Eingabe, 8.000 Token Prompt-Verständnis, Stereo-Ton und Lippen-Synchronisation in mehr als zehn Sprachen, darunter Deutsch.^[The Decoder – Kling AI drops version 4.0 with stereo audio, multilingual lip sync, and a lighter Flash variant – url: https://the-decoder.com/kling-ai-drops-version-4-0-with-stereo-audio-multilingual-lip-sync-and-a-lighter-flash-variant/] Neben dem Hauptmodell gibt es eine leichtere Flash-Variante für schnellere und günstigere Generierung, die allerdings bei 720p und 20 Sekunden endet.^[The Decoder – Kling AI drops version 4.0 with stereo audio, multilingual lip sync, and a lighter Flash variant – url: https://the-decoder.com/kling-ai-drops-version-4-0-with-stereo-audio-multilingual-lip-sync-and-a-lighter-flash-variant/]

Bemerkenswert ist der Vergleich mit den chinesischen Konkurrenten Wan 3.0 und Seedance 2.5: Kling 4.0 hält mit, zieht aber nicht davon – vor allem bei logischer Szenenfolge, Physik und natürlich klingendem Dialog. Der „Decoder" liest das als mögliches frühes Zeichen dafür, dass sich das Tempo der Fortschritte bei KI-Video allmählich abflacht.^[The Decoder – Kling AI drops version 4.0 with stereo audio, multilingual lip sync, and a lighter Flash variant – url: https://the-decoder.com/kling-ai-drops-version-4-0-with-stereo-audio-multilingual-lip-sync-and-a-lighter-flash-variant/]

Gleichzeitig: der Sprung aufs Parkett

Während die Preise fallen, steigen die Bewertungen. Anthropic läuft sich für den Börsengang warm: Der Claude-Entwickler lud Investoren vergangene Woche in die Zentrale nach San Francisco, um ihnen Geschäftszahlen und Potenzial zu zeigen. Der Gang aufs Parkett ist nun vor dem Thanksgiving-Feiertag Ende November geplant – und soll ein IPO der Superlative werden, am liebsten größer als der von SpaceX im Juni, mindestens aber mit einer Bewertung von deutlich mehr als einer Billion Dollar, wie es an der Wall Street heißt.^[Handelsblatt – Märkte Insight: Sind Anthropic und OpenAI wirklich geeignete Börsenkandidaten? – url: https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/kolumnen/ki-sind-anthropic-und-openai-wirklich-geeignete-boersenkandidaten/100263207.html]

Anthropic drängt damit vor OpenAI als erstes der beiden großen Labore an die Börse. Die entscheidende Frage, die das Handelsblatt aufwirft, ist keine Bewertungsfrage: Wie sollen Anleger mit Aktien von Firmen umgehen, deren Technologie die Menschheit auslöschen könnte?^[Handelsblatt – Märkte Insight: Sind Anthropic und OpenAI wirklich geeignete Börsenkandidaten? – url: https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/kolumnen/ki-sind-anthropic-und-openai-wirklich-geeignete-boersenkandidaten/100263207.html]

Die Nervosität bleibt

Die Märkte haben zu Wochenbeginn erst einmal durchgeatmet. Der Nasdaq 100 hatte in der Vorwoche 5,5 Prozent verloren; am Montag legte der Nasdaq 1,1 Prozent auf 26.431 Punkte zu, der Nasdaq 100 1,2 Prozent auf 29.529 Zähler, der S&P 500 0,4 Prozent auf 7.691 Punkte. Der Dow Jones blieb mit 51.966 Punkten nahezu unverändert.^[Handelsblatt – Wall Street: US-Indizes schließen höher – Investoren greifen bei Tech-Werten wieder zu – url: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/dow-jones-sp-500-nasdaq-us-indizes-schliessen-hoeher-investoren-greifen-bei-tech-wieder-zu/100263242.html]

Analysten warnen jedoch, dass die Erholung anfällig bleibt. Immer mehr Anleger fragen sich, ob sich die hohen KI-Investitionen tatsächlich auszahlen; Kreditmärkte, Inflation und die anstehenden US-Zwischenwahlen belasten die Stimmung. „Der Ausverkauf zeigt das Risiko einer hohen Konzentration auf wenige Technologie- und KI-Aktien", sagte Marktanalyst Maximilian Wienke von eToro.^[Handelsblatt – Wall Street: US-Indizes schließen höher – Investoren greifen bei Tech-Werten wieder zu – url: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/dow-jones-sp-500-nasdaq-us-indizes-schliessen-hoeher-investoren-greifen-bei-tech-wieder-zu/100263242.html]

Zwischen 0,22 Dollar pro Aufgabe und einer Billion Dollar Bewertung liegt damit vor allem eine Frage: Wie viel Marge bleibt, wenn die Rechenleistung immer günstiger wird? Die kommenden Börsengänge und Quartalszahlen werden diese Rechnung offenlegen müssen – ob sie nun aus San Francisco oder Shenzhen kommt.