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Künstliche Intelligenz · Microsoft

Microsoft will weg von OpenAI: Research-Chef erklärt den neuen Kurs

Satya Nadella fürchtete einst, Microsoft könne den KI-Boom verschlafen wie IBM. Heute entwickelt der Konzern eigene Modelle – während Microsoft Research überraschend außen vor bleibt. Research-Chef Doug Burger erklärt, warum.

deepdaive Team ·

Foto: panumas nikhomkhai / Pexels
Foto: panumas nikhomkhai / Pexels

Berlin, 06. September 2026 – „Ich möchte nicht IBM sein, und OpenAI soll nicht Microsoft sein“: Mit diesen Worten beschrieb Microsoft-Chef Satya Nadella 2022 in einer internen E-Mail die Stimmung vor dem Start von ChatGPT. Was er meinte, erklärte er im Mai in einem Gerichtsverfahren in Oakland: Microsoft sollte nicht seine Führungsrolle im Tech-Sektor verlieren – so wie einst IBM, weil es einen Boom wie den der Künstlichen Intelligenz verpasste.^[Handelsblatt – Doug Burger: Chef von Microsoft Research: „Es ist unser Job, Risiken einzugehen, die sich sonst niemand zutraut“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/microsoft-risiken-eingehen-die-sich-sonst-niemand-zutraut/100248913.html]

Das verpasste Megathema

Tatsächlich hatte es Microsofts eigene KI-Ingenieure 2022 „umgehauen“, als sie ChatGPT zum ersten Mal sahen: Der Tech-Riese hatte ein Megathema verschlafen. Nadella reagierte schnell und intensivierte die Partnerschaft mit OpenAI. Heute geht der Konzern den nächsten Schritt: KI-Chef Mustafa Suleyman entwickelt eigene Modelle. Noch sollen diese spezielle Aufgaben erfüllen, wie es im Umfeld des Konzerns heißt – in wenigen Jahren sollen sie dann aber an der Spitze der Entwicklung stehen.^[Handelsblatt – Doug Burger: Chef von Microsoft Research: „Es ist unser Job, Risiken einzugehen, die sich sonst niemand zutraut“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/microsoft-risiken-eingehen-die-sich-sonst-niemand-zutraut/100248913.html]

Microsoft Research: Der stille Riese

Das KI-Wettrennen geht also weiter, der Druck steigt – nur eine Abteilung wird erstaunlich selten genannt, wenn es um die Entwicklung führender Modelle geht: Microsoft Research (MSR), die mehr als 1000 Köpfe zählende Forschungseinheit des Konzerns. MSR-Chef Doug Burger lächelt, als ihn das Handelsblatt im Videointerview mit der Frage konfrontiert, warum seine Abteilung nicht die Führung bei der KI-Entwicklung übernahm.^[Handelsblatt – Doug Burger: Chef von Microsoft Research: „Es ist unser Job, Risiken einzugehen, die sich sonst niemand zutraut“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/microsoft-risiken-eingehen-die-sich-sonst-niemand-zutraut/100248913.html] Seine Antwort umreißt der Titel des Interviews: „Es ist unser Job, Risiken einzugehen, die sich sonst niemand zutraut.“^[Handelsblatt – Doug Burger: Chef von Microsoft Research: „Es ist unser Job, Risiken einzugehen, die sich sonst niemand zutraut“ – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/microsoft-risiken-eingehen-die-sich-sonst-niemand-zutraut/100248913.html] Während die Produktteams im Wettlauf um die nächste Modellgeneration stehen, versteht sich die Forschungseinheit offenbar als Ort für langfristige, riskante Grundlagenarbeit.

OpenAI setzt derweil auf Astra

Während Microsoft auf mehr Eigenständigkeit setzt, zeigt sich OpenAI intern selbstbewusst: Entwickler Thibault Sottiaux bezeichnete Astra, den agentischen Assistenten des Unternehmens, als „größten Wettbewerbsvorteil“ – solange die Technologie nicht öffentlich verfügbar war. Seit das Team Astra intern nutzt, sei die Produktivität so stark gestiegen, dass einige Pläne um sechs Monate vorgezogen wurden.^[The Decoder – OpenAI developer claims Astra boosted productivity so much it pulled some plans forward by six months – url: https://the-decoder.com/openai-developer-claims-astra-boosted-productivity-so-much-it-pulled-some-plans-forward-by-six-months/]

Zwei Strategien, ein Wettlauf

Damit zeichnet sich eine interessante Arbeitsteilung im KI-Ökosystem ab: Microsoft baut seine eigenen Modelle auf, um nicht dauerhaft von OpenAI abhängig zu sein, und setzt dabei auf eine Forschungsabteilung, die bewusst nicht im Tagesgeschäft des Modellwettrennens aufgeht. OpenAI wiederum vertraut darauf, dass interne Werkzeuge wie Astra den entscheidenden Produktivitätsvorsprung sichern. Ob der eingeschlagene Kurs von Microsoft Research am Ende trägt – und ob die „Risiken, die sich sonst niemand zutraut“, sich auszahlen –, dürfte zu den spannendsten Fragen der kommenden Jahre gehören.